49.000 Migranten erreichen Ceuta nach Massenandrang
Mindestens 16 Menschen wurden tot geborgen, nachdem rund 49.000 Migranten innerhalb von 24 Stunden Ceuta erreicht hatten.
Rund 49.000 Migranten kamen innerhalb von 24 Stunden in Ceuta an. Das spanische Innenministerium erklärte, die Menschen seien von Marokko aus über Land und über das Meer in die nordafrikanische spanische Exklave gelangt.
Zuvor hatte es aus Polizeikreisen eine Schätzung von mehr als 20.000 Ankommenden gegeben. Der überwiegende Teil von ihnen soll geschwommen sein. Mindestens 16 Menschen wurden tot aus dem Wasser geborgen.
Rund 400 Menschen erreichen Melilla
Auch in Melilla gelangten etwa 400 Menschen von Marokko aus in die Exklave. Sie kamen über zwei Grenzübergänge auf dem Landweg sowie über einen Damm im Süden der Stadt. Juan José Imbroda, Präsident der autonomen Stadt, sagte, die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle gehalten.
Dem Andrang nach Ceuta waren Gerüchte über eine Öffnung der Grenze am Donnerstagmorgen vorausgegangen. Hunderte junge Migranten verbrachten die Nacht auf Freitag auf den Straßen Ceutas, viele hatten kaum Kleidung bei sich. In derselben Nacht und am Freitagmorgen kamen weitere Hunderte über die Grenze.
Spaniens Regierung setzte in Ceuta stationierte Armee-Einheiten zur Unterstützung der örtlichen Polizei und der Grenzbeamten ein. Ministerpräsident Pedro Sánchez sollte am Freitag in das Gebiet reisen.
Italien verlangt Schengen-Schritt gegen Spanien
Italien verlangte wegen der Vorgänge in Nordafrika, Spanien aus dem Schengen-Raum auszuschließen. Ministerpräsidentin Georgia Meloni erklärte, ihre Regierung bereite Gespräche mit den zuständigen Stellen vor. Danach sei sie auch zu außergewöhnlichen Maßnahmen wie einer Aussetzung des Schengen-Abkommens mit Spanien bereit. Die Bilder aus Ceuta bezeichnete sie als schockierend und kündigte an, Italien werde nicht untätig bleiben.
Österreichs Europa- und Integrationsministerin Claudia Bauer plante für Freitagnachmittag ein Telefonat mit ihrem spanischen Amtskollegen Fernando Mariano Sampedro Marcos. Der ÖVP-Europaabgeordnete Lukas Mandl machte die spanische Regierungspolitik für die Ereignisse verantwortlich und warf Madrid vor, europäische Migrationspolitik aus ideologischen Gründen nicht umzusetzen. FPÖ-Europaabgeordnete Petra Steger nannte die Vorgänge eine Bankrotterklärung der europäischen Migrationspolitik und erklärte, die Polizei verliere bei einem solchen Andrang die Kontrolle, während die Bevölkerung mit den Folgen allein gelassen werde.
Im Mai 2021 waren innerhalb von 36 Stunden mehr als 8.000 Menschen von Marokko aus nach Ceuta gelangt. Spanien besitzt mit Ceuta und Melilla weiterhin zwei Exklaven, obwohl Marokko 1956 von Frankreich und Spanien unabhängig wurde. Marokko beansprucht beide Gebiete. In ihrer Nähe warten häufig Tausende Menschen, vor allem aus Staaten südlich der Sahara, auf eine Gelegenheit zur Einreise in EU-Gebiet.
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