Am Problem vorbei? ÖGB kritisiert Debatte über höheres Pensionsalter
Der ÖGB spricht sich gegen ein höheres Pensionsalter nach starren Regeln aus. Stattdessen fordert der Gewerkschaftsbund bessere Arbeitsbedingungen und faire Chancen für ältere Beschäftigte.
Der Österreichische Gewerkschaftsbund spricht sich gegen ein höheres gesetzliches Pensionsantrittsalter nach starren Regeln aus. Aus Sicht des ÖGB liegt der entscheidende Punkt nicht darin, Menschen länger im Arbeitsleben zu halten. Vielmehr müsse sichergestellt sein, dass Beschäftigte überhaupt gesund bis zur Pension kommen.
ÖGB-Pensionsexpertin Anja Hafenscher kritisiert die aktuelle Debatte. Aus ihrer Sicht greife es zu kurz, ein höheres Pensionsantrittsalter zu verlangen, ohne auf die Realität älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu schauen. Entscheidend sei, ob Menschen mit 60, 62 oder 65 Jahren noch eine passende Stelle bekommen und unter guten Bedingungen tätig sein können.
Blick nach Dänemark sorgt für Kritik
Der ÖGB verweist dabei auf Dänemark. Dort ist das Pensionsalter seit Jahren automatisch an die Lebenserwartung gekoppelt. Dadurch verschiebt sich der reguläre Pensionsantritt immer weiter nach hinten. Prognosen zufolge könnten einzelne jüngere Jahrgänge dort erst mit etwa 74 Jahren regulär in Pension gehen.
Ein höheres Pensionsalter bedeutet nicht automatisch Nachhaltigkeit. Es erhöht vor allem den Druck auf Beschäftigte, die schon heute körperlich oder psychisch stark belastet sind.
Anja Hafenscher, ÖGB-Pensionsexpertin
Gute Arbeitsplätze statt längerer Belastung
Der Gewerkschaftsbund hält das österreichische gesetzliche Pensionssystem trotz demografischer Veränderungen für stabil. Aus Sicht des ÖGB soll es nicht über ein höheres Antrittsalter abgesichert werden, sondern über bessere Jobs, faire Finanzierung und echte Perspektiven für ältere Beschäftigte.
Hafenscher fordert daher bessere Arbeitsbedingungen, mehr Schutz vor körperlicher und psychischer Belastung sowie faire Chancen für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Wer über ein höheres Pensionsalter diskutiere, müsse zuerst dafür sorgen, dass Menschen gesund bis zur Pension arbeiten können.
Das fordert der ÖGB
Der ÖGB spricht sich gegen einen Automatismus beim gesetzlichen Pensionsalter aus. Nicht nur die Lebensarbeitszeit dürfe ausschlaggebend sein, sondern auch Belastungen und unterschiedliche Lebensrealitäten.
Statt längerer Erwerbsphasen brauche es Arbeitsplätze, die Menschen bis zur Pension gesundheitlich bewältigen können. Dazu gehören aus Sicht des Gewerkschaftsbundes bessere Bedingungen, mehr Schutz und realistische Jobchancen für ältere Beschäftigte.
Eine Reform dürfe außerdem nicht zulasten jener gehen, die schon heute stark belastet sind. Das österreichische Pensionssystem solle durch faire Finanzierung und einen guten Arbeitsmarkt gestärkt werden.
Deine Meinung zu diesem Artikel?
Beitrag melden
Wähle einen Grund aus und beschreibe, was nicht passt oder neu dazugekommen ist.
Foto oder Video senden
Sende der Redaktion ergänzende Bilder oder ein Video zum Beitrag. Videos werden in der Redaktion geprüft und nicht automatisch veröffentlicht.




Kommentare
Die Reihenfolge berücksichtigt Likes, Dislikes, Antworten und Aktualität.
Kommentare kannst Du auf diesem Gerät aktuell nur lesen.
Zum Kommentieren bitte die iOS-App verwenden.
Öffne oder installiere die App, um diesen Beitrag dort zu kommentieren.
Am Desktop kannst Du zusätzlich den QR-Code rechts unten scannen.