Walter Ruck tritt von Wirtschaftskammer und Wirtschaftsbund zurück
Nach Kritik an publik gewordenen Aussagen hat Walter Ruck beide Spitzenfunktionen abgegeben. Margarete Kriz-Zwittkovits übernimmt seine Nachfolge.
Walter Ruck hat seine Funktionen als Präsident der Wirtschaftskammer Wien und als Obmann des Wiener ÖVP-Wirtschaftsbundes niedergelegt. In der Vorstandssitzung des Wirtschaftsbundes kündigte er zugleich seinen Rückzug ins Privatleben an.
Seine bisherige Stellvertreterin Margarete Kriz-Zwittkovits übernimmt die Führung von Wirtschaftskammer Wien und Wiener Wirtschaftsbund. Sie will einen Neubeginn vorbereiten, verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und den Reformprozess weiterführen.
Kriz-Zwittkovits übernimmt beide Spitzenfunktionen
Mitte Juli zitierten profil und Krone aus einem Gesprächsprotokoll. Darin wurde Ruck zugeschrieben, über Einfluss auf ÖVP-Listenplätze gesprochen und sich über Parteifreunde sowie Vertreter der Industrie geäußert zu haben. Kritik richtete sich gegen das darin erkennbare Politikverständnis und gegen mutmaßlich frauenfeindliche Aussagen.
Kriz-Zwittkovits will die einzelnen Aussagen nicht kommentieren und ordnete sie der Vergangenheit zu. Sie beschrieb ihr Arbeitsverhältnis mit Ruck als gut und bewertete seinen Schritt als richtig. Zudem sagte sie: „Ich habe keinen Weinkeller, sondern offene Türen für die Unternehmerinnen und Unternehmer dieser Stadt.“
Parteien fordern Reformen und weitere Aufklärung
Die NEOS begrüßten Rucks Rücktritt. Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling verlangte, dass die angekündigte Reform der Wirtschaftskammer nun rasch vorankommt. Die Wiener Grünen nannten Sexismus, Postenschacher und Freunderlwirtschaft weiterhin aufklärungswürdig.
Die Wiener Volkspartei verwies auf die einstimmige Entscheidung ihres Bundesparteivorstands, Ruck aus der Partei auszuschließen, und erklärte ihre Distanz zu diesem Politikverständnis. FPÖ-Chef Herbert Kickl bezeichnete die Causa als Teil eines Gesamtbilds, in dem sich ÖVP und SPÖ mit Unterstützung von NEOS und Grünen Staat, Posten und Pfründe aneigneten.
Der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband Wien nahm die Entscheidung zur Kenntnis. Er forderte, weiteren Schaden von der Wirtschaftskammer als Interessenvertretung der Wiener Unternehmerinnen und Unternehmer abzuwenden und den Reformprozess zu beginnen.
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