Untere Lobau in Wien leidet unter extremer Trockenheit
Bild mit KI erstellt Der WWF bewertet den Zustand der Unteren Lobau als äußerst schlecht und verlangt rasch Wasser aus der Donau.
Trockenheit und Hitzewellen setzen der Unteren Lobau in Wien zu. Der WWF bewertet den Zustand des Schutzgebiets als äußerst schlecht.
Braun gewordene Wiesen, abgestorbene Weiden mit erneutem Austrieb und Pegel ohne Kontakt zum Wasser prägen das Bild. Die vergangenen zwölf Monate waren die trockensten der heimischen Messgeschichte.
Die Untere Lobau umfasst ein Viertel des Nationalparks Donau-Auen. Seit der Donauregulierung von 1870 fehlt ihr weitgehend der Wechsel zwischen Hoch- und Niedrigwasser, weil sie von der Donau fast vollständig getrennt ist und zunehmend verlandet. Der WWF sieht dadurch Lebensräume gefährdet, in denen Arten ihr letztes Rückzugsgebiet haben.
WWF fordert Donauwasser für die Untere Lobau
Der WWF verlangt eine künstliche Zuleitung von Wasser aus der Donau in die Untere Lobau und eine Nachmeldung des Gebiets im Renaturierungsatlas der Gewässer. In der Oberen Lobau wird Donauwasser bereits seit etwa zwei Jahren zugeführt.
Nach Einschätzung des WWF würde Wasser aus der Oberen Lobau während einer Trockenperiode die Austrocknung der Unteren Lobau jedoch nicht verhindern. Die Organisation fordert daher langfristig eine stärkere Verbindung zur Donau und ein Ende der fortschreitenden Eintiefung des Donaubetts, die den Wasserstand in der Au sinken lässt.
Die Stadt Wien lässt eine mögliche Dotierung der Unteren Lobau fachlich prüfen. Wegen möglicher Verunreinigungen der Trinkwasserbrunnen erarbeiten Fachleute seit dem Vorjahr ein Grundwasserströmungsmodell. Es soll Folgen für den Wasserhaushalt und die für den Erhalt der natürlichen Vielfalt erforderlichen Wassermengen untersuchen. Erste Ergebnisse werden bis Ende des Jahres erwartet.
Nach allen Genehmigungen soll das Staudiglwehr über die Wintermonate erneuert werden. Es soll eine geregelte Wasserführung von der Oberen in die Untere Lobau ermöglichen, ohne die Obere Lobau auszutrocknen.
Untere Lobau fehlt im Wiederherstellungsplan
Österreich und die übrigen EU-Staaten müssen den Renaturierungsplan bis 1. September nach Brüssel übermitteln. Die Untere Lobau ist im Wiederherstellungsplan Gewässer – Freifließende Flüsse nicht enthalten. Die Stadt Wien hält eine spätere Meldung im nächsten Verhandlungszyklus mit der EU-Kommission für möglich, wenn die Studie erreichbare Ziele der Renaturierungsverordnung zeigt.
Bei Entscheidungen für die Lobau berücksichtigt die Stadt neben Trinkwassersicherheit, Hochwassermanagement und Naturschutz auch Land- und Forstwirtschaft sowie die Nutzung als Erholungsraum. Der Besucherdruck hat in den vergangenen Jahren zugenommen, wodurch mehr Menschen die markierten und erlaubten Wege verlassen. Als wahrscheinliche Ursache eines Vegetationsbrands Anfang August gilt eine weggeworfene Zigarette.
Bereits Anfang der 2000er-Jahre bestanden konkrete Pläne zur Renaturierung einschließlich Wasserzuleitung und Trinkwasseraufbereitungsanlage. Das Vorhaben wurde gestoppt. Die Stadt verweist auf frühere Projekte, die wegen befürchteter negativer Auswirkungen nicht weiterverfolgt wurden, und hält am Ziel fest, mehr sauberes Oberflächenwasser in die Lobau zu leiten.
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