Symposium in St. Pölten rückt Einsamkeit in den Fokus

Beim vierten Symposium „Nachbarschaft leben“ in St. Pölten standen Begegnung und Wege aus der Isolation im Mittelpunkt.
Das vierte Symposium der Initiative „Nachbarschaft leben“ fand am Dienstag, 20. Oktober, im Panoramasaal der HYPO NOE in St. Pölten statt. Es stand unter dem Titel „Stark miteinander: Aus der Isolation zu neuer Lebensqualität“ und widmete sich Fragen zu Einsamkeit, Begegnung und Gemeinschaft.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sagte, persönliche Begegnungen und Gespräche könne kein Algorithmus ersetzen. Zuhören sei wichtig, damit Menschen einander verstehen und Begegnung möglich werde.
Einsamkeit betreffe heute besonders auch junge Menschen, sagte Mikl-Leitner. Als Orte der Gemeinschaft nannte sie Musikschulen. In Niederösterreich besuchen 63.000 Kinder und Jugendliche Musik- und Kunstschulen, wo sie neben Musizieren und Theaterspielen auch Teamgeist, Kameradschaft, Pünktlichkeit und selbstbewusstes Auftreten auf Bühnen lernen.
Die Landeshauptfrau dankte den ehrenamtlich Engagierten, die Vereine und Nachbarschaftsinitiativen mit Leben füllen. Als Beispiel nannte sie „Nachbarschaftskultur im Waldviertel“, eine Plattform für Menschen, die sich engagieren wollen, und für Menschen, die einsam sind und Unterstützung brauchen. Sie verwies außerdem auf Nachbarschaftsprojekte, Besuchsdienste, Seniorentreffs und generationenübergreifende Initiativen.
Musalek plädiert für frühe Teilhabe durch Kultur
Der Psychiater, Psychotherapeut und Universitätsprofessor für Allgemeinpsychiatrie Michael Musalek bezeichnete Einsamkeit als stark tabuisiertes Thema und als eines der zentralen Gesundheitsthemen. Um Isolation vorzubeugen, brauche es Möglichkeiten zur Teilhabe und Orte, an denen Menschen gern zusammenkommen.
Gemeinsames Singen, Basteln, Malen und Gestalten sei eine wichtige Form aktiver Kultur, die schon in der Schule Platz haben sollte, sagte Musalek. Kinder sollten spielerisch einbezogen werden, statt erst bei Menschen im Alter von 60 oder 70 Jahren gegen Einsamkeit anzusetzen.
Beim Symposium wurden Wissen aus der Forschung und regionale Projekte zum Nachmachen vorgestellt. Dazu zählten „Mit Freude Singen“ in Bad Vöslau, „HerzensZEIT“ und „Jugendtreff“ in Mauerbach sowie „Radeln ohne Alter“ an den Standorten Ebreichsdorf und Wiener Neustadt.
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