Zwei ME/CFS-Projekte in Wien erhalten je rund eine Million Euro
Bild mit KI erstellt Die Förderungen sind Österreichs bisher größte Einzelförderungen für ME/CFS-Forschung. Das PAIS-Zentrum startet ab Sommer 2027.
Der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) vergibt gemeinsam mit der WE&ME Stiftung zwei Förderungen für ME/CFS-Forschungsprojekte. Jedes erhält rund eine Million Euro. Es sind die bisher größten Einzelförderungen für ME/CFS-Forschung in Österreich. Bürgermeister Michael Ludwig stellte die Projekte am Dienstag gemeinsam mit WWTF-Präsident Michael Häupl und Gerhard Ströck, Vorstand der WE&ME Stiftung, im Festsaal des Wiener Rathauses vor.
Seit 2024 haben der WWTF und die WE&ME Stiftung gemeinsam rund 3,1 Millionen Euro für ME/CFS-Forschung in Wien bereitgestellt. Auf sieben explorative Projekte im Jahr 2024 mit 700.000 Euro folgte 2025 der Aufbau einer ME/CFS-Biobank an der MedUni Wien mit 200.000 Euro. Im Jahr 2026 wurden sechs Fellowships für junge Forschende mit 233.000 Euro gefördert.
ME-RESET prüft die Energieversorgung bei Sauerstoffmangel
Das Projekt ME-RESET von Lukas Haider, Martin Krššák und Kathrin Kollndorfer erhält 999.930 Euro und läuft 36 Monate. In einem Vorprojekt fand Haiders Team Hinweise darauf, dass bei Menschen mit ME/CFS unter kontrolliertem Sauerstoffmangel die Energieversorgung in Gehirn und Muskulatur versagt, während Gesunde dies ausgleichen. Das neue Projekt soll klären, ob das Problem an der Durchblutung oder an den Mitochondrien liegt und ob Sauerstoffzufuhr es teilweise umkehren kann. Dafür untersucht das Team Patientinnen und Patienten in einer randomisierten Studie mit Multiorgan-MRT, MR-Spektroskopie und Blutmarkern. Im Mittelpunkt steht ein Krankheitsmechanismus, nicht eine fertige Therapie.
Das zweite Projekt von Matthias Wielscher und Kathryn Hoffmann ist ebenfalls auf 36 Monate angelegt und erhält 999.169 Euro. Das Team untersucht, ob bei einem Teil der Menschen mit ME/CFS-Diagnose eine bisher unerkannte seltene genetische Erkrankung vorliegt. Dafür baut es eine österreichische Kohorte auf und untersucht sie mit Ganzgenomsequenzierung. Ein neues „ME/CFS Rare Disease Board“ bewertet die Befunde. Das Projekt zielt auf eine präzisere Diagnostik.
Eine internationale Expertinnen- und Expertenjury wählte die beiden Projekte aus. Erkrankte Wissenschafterinnen und Wissenschafter aus dem internationalen Science4ME Forum wirkten als Patienten-Expertinnen und -Experten an der Begutachtung mit. Beide geförderten Projektleiter hatten vor der ersten Förderrunde des WWTF keinen Bezug zu ME/CFS. In Österreich sind schätzungsweise 70.000 bis 80.000 Menschen betroffen, mehr als an Multipler Sklerose. Rund 60 Prozent der Betroffenen sind teilweise arbeitsunfähig, etwa ein Viertel ist ans Haus oder ans Bett gebunden.
PAIS-Zentrum startet ab Sommer 2027 mit der Versorgung
Der Wiener Gesundheitsverbund richtet ein PAIS-Zentrum für Menschen mit post-akuten Infektionssyndromen ein, darunter Post COVID und ME/CFS. Laut Michael Binder, Medizinischer Direktor des Wiener Gesundheitsverbundes, wird es die erste spezialisierte Anlaufstelle dieser Art in Wien. In der ersten Ausbaustufe startet die Versorgung ab Sommer 2027. Zu Beginn stehen Diagnose, Symptommanagement und Begleitung im Mittelpunkt.
Ab Mitte 2028 soll das Zentrum in der finalen Ausbaustufe vollumfänglich zur Verfügung stehen und medizinische Versorgung mit therapeutischer Begleitung nach aktuellen Leitlinien verbinden. Die MedUni Wien ist seit September 2024 Sitz des Nationalen Referenzzentrums für postvirale Syndrome. Es informiert im Auftrag des Gesundheitsministeriums Gesundheitsberufe in ganz Österreich und wird von Eva Untersmayr-Elsenhuber und Kathryn Hoffmann geleitet.
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