Weniger Privatkonkurse – doch Kärntens Haushalte bleiben unter Druck
In Kärnten liegen die Privatkonkurse unter dem Vorjahreswert. Der KSV1870 verweist zugleich auf hohe Lebenshaltungskosten und eine weiterhin angespannte Lage vieler Haushalte.
Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Privatkonkurse in Kärnten unter dem Wert des Vorjahres. Nach einer aktuellen Hochrechnung des KSV1870 kamen im Bundesland 310 eröffnete Schuldenregulierungsverfahren zusammen. Das bedeutet ein Minus von 6,1 Prozent und entspricht beinahe zwei Verfahren pro Tag.
Auch die vorläufigen Passiva gingen zurück. Sie beliefen sich auf insgesamt 33 Millionen Euro und damit um 2,9 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Ob diese Entwicklung bis zum Jahresende anhält, lässt sich laut KSV1870 derzeit noch nicht sicher sagen. Aus heutiger Sicht rechnet der Gläubigerschutzverband mit einem ähnlichen Ergebnis wie im Vorjahr.
Finanzielle Lage bleibt angespannt
Trotz des Rückgangs bleibt die wirtschaftliche Situation vieler Kärntner Privathaushalte angespannt. Hohe Lebenshaltungskosten, vor allem bei Energie, Wohnen und Lebensmitteln, sowie eine zuletzt wieder höhere Inflationsrate drücken auf die verfügbare Kaufkraft. Dadurch steigt die finanzielle Verwundbarkeit vieler Haushalte, auch wenn sich das bisher nur teilweise in der Insolvenzstatistik zeigt.
Angesichts der generell angespannten finanziellen Lage fällt der Rückgang bei den Privatkonkursen in Kärnten doch etwas unerwartet aus.
René Jonke, Leiter KSV1870 Region Süd
Passiva sinken leicht
Neben den Fallzahlen sanken auch die vorläufigen Passiva leicht. Gegenüber dem Vorjahr reduzierten sie sich im ersten Halbjahr 2026 um 2,9 Prozent auf 33 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um vorläufige Werte zum Stichtag der Hochrechnung. Im weiteren Verlauf der Insolvenzverfahren können sich diese Beträge noch verändern.
KSV1870 erwartet ähnliches Niveau wie im Vorjahr
Für das Gesamtjahr 2026 geht der KSV1870 derzeit davon aus, dass Kärnten ungefähr das Vorjahresniveau von rund 650 eröffneten Schuldenregulierungsverfahren erreichen könnte.
Eine wesentliche Veränderung der Fallzahlen ist nach aktuellem Stand in absehbarer Zeit eher nicht zu erwarten, womit auch weiterhin das Niveau aus Vorkrisenzeiten von rund 700 Privatkonkursen pro Jahr nicht erreicht werden wird.
René Jonke, Leiter KSV1870 Region Süd
Dreijähriger Tilgungsplan läuft voraussichtlich aus
In Österreich wurde zuletzt intensiv darüber diskutiert, wie es mit dem dreijährigen Tilgungsplan für Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeht. Dabei geht es um eine Entschuldung innerhalb von drei Jahren. Die gesetzliche Befristung endet am 17. Juli 2026.
Nach derzeitigem Stand hält der KSV1870 ein Auslaufen der Regelung für höchstwahrscheinlich. Der Gläubigerschutzverband sieht darin eine faire Lösung zwischen Schuldnern und Gläubigern. Bei einer fünfjährigen Entschuldungsdauer seien laut KSV1870 deutlich höhere Rückflüsse an Gläubiger möglich.

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