UNESCO nimmt Wien von Roter Welterbe-Liste
Das Historische Zentrum Wiens gilt nicht mehr als gefährdete Welterbestätte. Das Komitee entschied bei seiner Tagung in Busan.
Das Historische Zentrum Wiens steht nicht mehr auf der Roten Liste der gefährdeten Welterbestätten. Am 27. Juli beschloss das UNESCO-Welterbekomitee die Streichung nach einer langen Debatte während seiner 48. Tagung im südkoreanischen Busan.
Auf die Liste war das Historische Zentrum 2017 wegen des Heumarkt-Projekts gekommen. Im Mittelpunkt der jahrelangen Auseinandersetzung stand das Vorhaben des Investors Michael Tojner und seines Unternehmens Wertinvest.
Die ursprüngliche Planung sah eine maximale Gebäudehöhe von 73 Metern vor. Nach mehreren Verkleinerungen liegt die vorgesehene Höchstgrenze bei 49,95 Metern. Die 2023 präsentierte Variante muss noch eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchlaufen. Der Verwaltungsgerichtshof wies wenige Tage vor der Entscheidung eine außerordentliche Revision gegen das Projekt ab.
Vor der Sitzung hatte der Internationale Rat für Denkmalpflege, ICOMOS, empfohlen, Wien auf der Roten Liste zu belassen. Bund und Stadt Wien bemühten sich zugleich auf diplomatischem Weg um Unterstützung für die österreichische Position im Komitee.
Sabine Haag, Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission, bewertete die Entscheidung als Ergebnis der Bemühungen der vergangenen Jahre. Sie nannte Dialog, Kompromissbereitschaft, die kleinere Dimension des Heumarkt-Projekts und die stärkere Verankerung des Welterbeschutzes in den Verwaltungsabläufen der Stadt Wien.
Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) begrüßte den Beschluss und verwies auf Anstrengungen zum Schutz des historischen Zentrums sowie auf eine verantwortungsvolle Stadtentwicklung. NEOS-Klubobfrau Selma Arapovic bezeichnete Welterbeschutz und Stadtentwicklung als vereinbar, während Grünen-Gemeinderätin Jennifer Kickert auf die fortdauernden Verpflichtungen zum Erhalt des Welterbes hinwies.
ÖVP-Landesparteiobmann Markus Figl sprach von einer guten Nachricht, sah aber weiterhin offene Aufgaben beim Schutz des historischen Stadtbildes. FPÖ-Planungssprecher Toni Mahdalik kritisierte das politische Lobbying zugunsten des Projekts.
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