Nach Kratom-Tee erleidet ein 22-Jähriger zwei Herzstillstände
Bild mit KI erstellt Nach zwei Wochen im Krankenhaus wurde der 22-Jährige ohne weitere Folgeschäden entlassen.
Ein gesunder 22-jähriger Mann überstand zwei Herzstillstände nach dem Konsum von Kratom-Tee. Nach zwei Wochen im Krankenhaus konnte er dieses verlassen, ohne bleibende gesundheitliche Folgen davongetragen zu haben.
In seiner Wohnung sackte der Mann zusammen. Als sein Mitbewohner auf ihn stieß, war er bewusstlos, hatte Krämpfe und keinen Puls. Der Mitbewohner begann mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Nach vier Minuten Herzmassage und einer Adrenalininjektion kehrten Herz- und Kreislauffunktion zurück. Später kam es zu einem erneuten Herzstillstand, den die Helfer mit intensiveren Wiederbelebungsmaßnahmen beendeten.
Bluttests wiesen Mitragynin nach
Der Patient berichtete, Kratom-Tee konsumiert zu haben. Gezielte Bluttests ergaben daraufhin 500 Mikrogramm Mitragynin pro Liter Blutplasma. Zu Beginn ließ die medizinische Abklärung keine ernsthafte Vorerkrankung erkennen.
Bei den ersten Blutanalysen fand sich weder Alkohol noch ein Nachweis für Beruhigungs- oder Schlafmittel beziehungsweise Antidepressiva. Im Urin fanden sich keine Amphetamine, kein Kokain und keine Opiate, mit Ausnahme von Fentanyl als Schmerzmittel. Wegen wiederholt stark verlangsamten Pulses von 25 bis 30 Herzschlägen pro Minute erhielt der Mann einen Herzschrittmacher.
Die Innsbrucker Intensivmediziner ordnen den Vorfall als ersten österreichischen Fall eines Herzstillstands bei alleiniger Kratomvergiftung ein. Sie halten eine Mitragyninvergiftung für die wahrscheinlichste Ursache und warnen vor schweren, möglicherweise tödlichen Nebenwirkungen von Kratom.
Mediziner warnen vor Risiken von Kratom
Für Kratom-Tee wird häufig fein zerkleinertes Material aus den Blättern des südostasiatischen Kratom-Baums verwendet. Anbieter stellen Kratom als natürliches Produkt zur Ergänzung der Ernährung dar. Nach Darstellung der Innsbrucker Mediziner kommt es auf die Menge an: In geringer Menge regen die Inhaltsstoffe eher an, in größerer ähneln ihre Effekte jenen von Opiaten.
Die Mediziner schätzen, dass in den USA jährlich rund zwei Millionen Erwachsene Kratom konsumieren. Nach ihren Angaben verzwölffachten sich die im National Poison Data System erfassten Kratom-Vergiftungsfälle von 2015 bis 2025. Für 2025 nennt das System 3.434 Fälle. Im selben Zeitraum wurden insgesamt 233 Todesfälle gemeldet.
Eine weltweite Auswertung von 156 Todesfällen im Zusammenhang mit Kratom ergab den Autoren zufolge mittlere Mitragynin-Werte von 398 Mikrogramm pro Liter Blutplasma. Die Mediziner halten die tatsächliche Häufigkeit solcher Vorfälle möglicherweise für unterschätzt, weil Mitragynin nicht routinemäßig in toxikologischen Standarduntersuchungen erfasst wird. Ihrer Einschätzung nach verbreitet sich Kratom auch in Europa zunehmend, unter anderem durch die einfache Online-Verfügbarkeit und die Vermarktung als natürliches Nahrungsergänzungsmittel.
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