Kremser Firma gewinnt Glas aus Müllverbrennungsschlacke zurück

Die Glasy-Anlage kann jährlich rund 20.000 Tonnen Glas aus Müllverbrennungsrückständen zurückgewinnen.
Brantner green solutions aus Krems, ein niederösterreichisches Unternehmen, konzipierte für die Anlage Glasy ein Verfahren zur Rückgewinnung von Glas aus Müllverbrennungsrückständen. Nach Angaben des Landes Niederösterreich ermöglicht das Verfahren erstmals weltweit die Rückgewinnung von Glas für den großtechnischen Einsatz bei einer Reinheit von 99,9999 Prozent.
Die Müllverbrennung hinterlässt in Österreich jedes Jahr rund 600.000 Tonnen Aschen und Schlacken. In diesen Rückständen stecken neben Metallen auch beträchtliche Glasanteile. Eine große technische Herausforderung war bislang, das Glas zu trennen und hochwertig aufzubereiten. Metalle hingegen werden schon seit Jahren zurückgewonnen. Glasy kombiniert Sortier- und Trenntechnologien in einem hochautomatisierten Verfahren, zu dem auch Röntgensortierung gehört.
Mit der Anlage lassen sich rund 20.000 Tonnen Glas pro Jahr der Wiederverwertung zuführen. Davon sind 15.000 Tonnen für die Glasindustrie und 5.000 Tonnen für die Schaumglasverarbeitung vorgesehen. Das Verfahren verringert den Deponiebedarf und schont Ressourcen.
Der Gedanke dazu kam 2021 auf. Aus der Kooperation zwischen Brantner und dem Christian Doppler Labor für recyclingbasierte Kreislaufwirtschaft an der TU Wien gingen in den darauffolgenden Jahren wissenschaftliche Grundlagen hervor. Danach folgten Versuche mit unterschiedlichen Sortiertechnologien und detaillierte Materialanalysen. Zusammen mit Maschinenherstellern entwickelte das Unternehmen daraus ein Verfahren, das den Qualitätsanforderungen der Glasindustrie entspricht.
Die Technologie könne grundsätzlich auch auf internationale Märkte übertragen werden, heißt es vom Land Niederösterreich. Brantner-Geschäftsführer Josef Scheidl erklärte, das Unternehmen wolle das Glas in einer Qualität zurückgewinnen, die eine direkte industrielle Weiterverarbeitung ermöglicht. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner verwies auf mögliche Vorteile für Ressourcenschonung, Emissionsreduktion und Wettbewerbsfähigkeit. Sie stellte das Projekt in den Zusammenhang mit der Wirtschaftsstrategie Niederösterreich 2030+, die Innovation, nachhaltige Wertschöpfung und hochwertige Arbeitsplätze in den Regionen fördern soll.
Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich, sieht in der Technologie eine Möglichkeit, Rohstoff- und Energiebedarf zu senken und neue Marktchancen zu eröffnen. Brantner green solutions ist in der Abfallwirtschaft, im Ressourcenmanagement, in der Kreislaufwirtschaft sowie in Transport und Logistik tätig. Das Unternehmen blickt auf eine 90-jährige Geschichte zurück und beschäftigt mehr als 2.745 Mitarbeitende in Österreich und vier weiteren Ländern. Das Projekt wurde beim NÖ Innovationspreis 2026 in der Kategorie Sonderpreis „Nachhaltige Innovation“ eingereicht.
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