Präventionsgipfel in Wien behandelt nihilistische Gewalt

Beobachtungen des Verfassungsschutzes zufolge steht bei Jugendlichen oft das Interesse an gewaltorientierten Videos am Anfang.
Am 15. Oktober 2026 fand in Wien der siebte Präventionsgipfel zu nihilistisch motivierter Gewalt und Extremismus im digitalen Raum statt. Veranstaltet wurde er vom Bundesweiten Netzwerk Extremismusprävention und Deradikalisierung (BNED), das die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) koordiniert.
Bei nihilistisch motivierter Gewalt tritt laut der Darstellung beim Gipfel eine feste politische oder religiöse Ideologie in den Hintergrund. Stattdessen stehen die Faszination für Gewalt und destruktive Weltbilder im Vordergrund. Fachleute aus Forschung, Sicherheitsbereich und Zivilgesellschaft sollten aktuelle Probleme analysieren und Gegenmaßnahmen entwickeln.
Verfassungsschutz sieht Gewaltvideos häufig am Anfang
Beobachtungen des Verfassungsschutzes zufolge beginnt eine Radikalisierung bei Jugendlichen oft nicht mit einer Ideologie, sondern mit dem Interesse an gewaltorientierten Videos. Häufige Antriebe seien eine tiefe Ablehnung der Gesellschaft, ein Gefühl der Sinnleere und menschenfeindliche Weltbilder. In digitalen Gemeinschaften suchten Betroffene Zugehörigkeit und fänden Feindbilder, etwa gegen Jüdinnen und Juden, Migrantinnen und Migranten oder Frauen. Ideologische Elemente entwickelten sich oft erst später oder vermischten sich. Dabei würden häufig islamistische und rechtsextremistische Inhalte kombiniert.
Die DSN beschreibt hierarchielose internationale Netzwerke als einen Einfluss. Genannt werden die Bewegung „Order of Nine Angles“ sowie das „The-Com-Netzwerk“ (The Community), das laut DSN durch Cyberkriminalität und physische Gewalt geprägt ist. Algorithmen könnten negative Inhalte verstärken. Taten würden gefilmt, um in der Gruppe Anerkennung zu erhalten. Codes, Memes und Ironie dienten dazu, extreme Positionen zu normalisieren und Filtermechanismen von Plattformen zu umgehen. Viele solcher Inhalte lägen knapp unter der Strafbarkeitsschwelle und untergrüben dennoch demokratische Werte.
DSN setzt auf Früherkennung und gesellschaftliche Zusammenarbeit
DSN-Direktorin Sylvia Mayer sagte, Betroffene zeigten eine ausgeprägte Gewaltbereitschaft im virtuellen Raum ebenso wie in der physischen Realität. Der Verfassungsschutz begegne dem Phänomen mit Prävention, der Früherkennung potenzieller Gefährder und Strafverfolgung. Als wirksamste Barriere nannte Mayer das Zusammenwirken verschiedener gesellschaftlicher Bereiche. Innenminister Gerhard Karner betonte, neben einem Social-Media-Verbot müssten auch Aufklärung und Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen eine wesentliche Rolle spielen. Staatssekretär Jörg Leichtfried hob die Bedeutung von Prävention und der Zusammenarbeit unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen hervor.
Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit Franz Ruf verwies auf stärker individualisierte und vermischte Radikalisierungswege, die sich schwer in klassische ideologische Kategorien einordnen ließen. Für die Einordnung brauche es neben der Erfahrung der Sicherheitsbehörden auch Wissenschaft und psychologische Expertise. In Keynotes und Diskussionsrunden ging es außerdem um nihilistische Gewalt in vernetzten Online-Gemeinschaften, die Gefahrenerkennung und die Möglichkeiten und Grenzen digitaler Prävention. Dabei wurden unter anderem vereinnahmende Systeme, Verschwörungstheorien und Medienkompetenz behandelt.
Das Innenministerium setzt nach eigenen Angaben auf Prävention, Früherkennung und Strafverfolgung. Die DSN konzentriert sich auf die frühzeitige Erkennung potenzieller Gefährder und arbeitet dafür eng mit anderen Sicherheitsbehörden zusammen. Sie steht laut Ministerium in engem Austausch mit dem Bundeskriminalamt und internationalen Partnern.
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