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KI-Symbolbild: Eine behandschuhte Person pipettiert in eine Mikrotiterplatte.Bild mit KI erstellt

Tamara Zietek stellte eine Auswertung vor: 92 Prozent der Wirkstoffe scheiterten nach bestandenen Tierversuchen später beim Menschen.

Die Tierschutzombudsstelle Wien veranstaltete am 7. Oktober unter dem Motto „Im Zweifel für das Tier“ ihr Jahresforum im Dachsaal der Urania. Tierschutzombudsfrau Eva Persy begrüßte dort Interessierte und Vortragende aus Forschung, Wirtschaft, Verwaltung und Politik.

Die Vortragenden waren sich einig, dass Tierversuche in vielen Bereichen überholt sind und es bereits zuverlässigere tierfreie Alternativen gibt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich der Umstieg beschleunigen lässt. In Österreich sterben jährlich 500.000 Tiere im Zusammenhang mit Tierversuchen. Etwa 300.000 davon werden als „Überschusstiere“ getötet, ohne in einem Versuch verwendet worden zu sein.

Zietek zeigt die Grenzen von Tierversuchen bei Wirkstoffen

Die Biochemikerin Tamara Zietek vom Verein Ärzte gegen Tierversuche wertete 60 Jahre Medikamentenentwicklung aus. Ihrer Auswertung zufolge scheiterten 92 Prozent der Wirkstoffe, die eine präklinische Prüfung mit Tierversuchen bestanden hatten, später beim Menschen. Dieser Anteil habe sich auch im vergangenen Jahrzehnt nicht verbessert.

New Approach Methodologies (NAMs) arbeiten unter anderem mit menschlichen Zellen und bilden Organe im Labor nach, etwa als Mini-Leber auf einem Chip. Doris Wilflingseder, Professorin für Infektionskrankheiten am Ignaz-Semmelweis-Institut und an der Vetmeduni Wien, gewann zu Beginn der Corona-Pandemie mit menschlichem Atemwegsgewebe wichtige Erkenntnisse ohne Tierversuche. Für diese Arbeit erhielt sie 2021 den Staatspreis zur Förderung von Ersatzmethoden zum Tierversuch.

Fachleute und Politik wollen den Einsatz tierfreier Methoden ausbauen

Anja Hellwig von der TissUse GmbH nannte Aspirin als Beispiel: Das Medikament würde heutige präklinische Tierversuche vermutlich nicht überstehen, weil es für Ratten tödlich ist. Als Hürden für den Umstieg nannten Vortragende Strukturen im akademischen Alltag und fehlende Fördermöglichkeiten. Tierversuchskurse gehören an medizinischen und veterinärmedizinischen Universitäten vielfach zum Standard, Lehrangebote zu alternativen Methoden gibt es bislang nicht überall in vergleichbarer Weise.

Eine Novelle des österreichischen Tierversuchsgesetzes ist im Regierungsprogramm verankert. Christian Berger aus dem Kabinett von Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner vertrat sie beim Forum. Er bezeichnete die Verringerung der „Überschusstiere“ als wesentliches Ziel und den Ersatz von Tierversuchen als oberste Priorität des Drei-R-Prinzips: Replacement, Reduction und Refinement. Berger sprach sich dafür aus, NAMs bei Forschungsförderungen überall dort als erste Wahl zu berücksichtigen, wo dies regulatorisch möglich ist. Das Wissenschaftsministerium fördert ihre Weiterentwicklung und Verbreitung auch auf europäischer Ebene. Österreich beteiligt sich an einer NAMs-Initiative der Europäischen Kommission im Rahmen der Agenda für den Europäischen Forschungsraum 2025–2027.

Die Wirtschaftsagentur Wien investiert in Laborflächen und fördert Innovations- und Investitionsprojekte Wiener Unternehmen. Start-ups entwickeln Organoide in der Petrischale und testen daran Wirkstoffe zur Behandlung von Epilepsie oder Alzheimer. Auch andere Unternehmen und Forschungseinrichtungen nutzen die Organoide als Alternative zu Tierversuchen. Laut Eva Czernohorszky, Abteilungsleiterin für Life Sciences bei der Wirtschaftsagentur, bringen NAMs in Wien neue Umsätze und Arbeitsplätze. Zwischen 2021 und 2024 wuchs die Beschäftigtenzahl der Wiener Life-Sciences-Branche um acht Prozent. Czernohorszky sagte, ein vergleichbares Wachstum habe es in keiner anderen Branche gegeben.

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