Herzmuskelentzündung nach Infekt kann Wochen später auffallen
KI-Bild Anhaltende Beschwerden nach einem Infekt sollten ärztlich abgeklärt werden. Bei schweren Symptomen ist sofort die Rettung unter 144 zu rufen.
Kurz gefasst
KI-Zusammenfassung
- Eine Myokarditis kann während eines Virusinfekts oder bis zu vier Wochen später auffallen.
- In rund 80 Prozent der Fälle sind Brustschmerzen oder Druckgefühl wichtige Anzeichen.
- Bei Verdacht helfen EKG, Blutuntersuchungen und Herzultraschall bei der Diagnose.
Anhaltende Erschöpfung, Atemnot oder Herzrasen nach einem Infekt sollten ärztlich abgeklärt werden. Bei starken Brustschmerzen, schwerer Atemnot, Ohnmacht oder plötzlich auftretenden schweren Beschwerden ist sofort die Rettung unter 144 zu verständigen.
Eine Herzmuskelentzündung, medizinisch Myokarditis genannt, betrifft im Vergleich zu anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen überproportional junge Menschen. Sie kann aber auch bei Kindern und älteren Menschen auftreten.
Alexander Geppert, Abteilungsvorstand der Kardiologischen Abteilung in der Klinik Ottakring, warnt vor sportlicher Überlastung bei einem Infekt: „Wer sich trotz eines Infekts sportlich verausgabt, mutet seinem Körper zusätzliche Anstrengung zu und riskiert, dass der Infekt sich auch aufs Herz ausbreitet.“
Virusinfektionen können das Herz auch später betreffen
Eine Myokarditis kann schon während einer Virusinfektion auftreten, aber auch erst Tage oder bis zu vier Wochen später auffallen. Meist sind Virusinfektionen wie eine Grippe die Ursache. Seltener können Bakterien, etwa Borrelien durch einen Zeckenbiss, oder Parasiten die Erkrankung auslösen. Auch Autoimmunerkrankungen und bestimmte Medikamente können eine Herzmuskelentzündung hervorrufen.
Bei der Erkrankung kommt es zu Entzündungsreaktionen im Herzmuskel. Einige Viren infizieren direkt die Muskelzellen, andere eher Zellen in der Wand der Herzgefäße. Auch die durch eine Infektion ausgelöste körpereigene Abwehrreaktion kann das Herz betreffen. Entzündungszellen wandern ein, sammeln sich an und greifen Herzmuskelzellen an.
Geppert erklärt zum Zusammenhang mit COVID-19: „Eine Myokarditis als Impfnebenwirkung ist sehr selten. Beispielweise ist das Risiko einer Herzmuskelentzündung nach einer COVID-19-Infektion um ein Vielfaches höher als nach einer COVID-19-Impfung. Auch der Verlauf einer Herzmuskelentzündung nach einer COVID-19-Infektion wäre viel schwerwiegender“.
Untersuchungen klären den Verdacht auf Myokarditis
In rund 80 Prozent der Fälle sind plötzlich auftretende oder anhaltende Brustschmerzen beziehungsweise ein starkes Druckgefühl in der Brust die wichtigsten Anzeichen. Auch Atemnot bei gewohnten Tätigkeiten, Herzrasen, Schwindel oder Ohnmacht sowie geschwollene Beine können darauf hinweisen. Besonders bei Brustschmerzen ist rasche medizinische Hilfe wichtig, da auch ein Herzinfarkt dahinterstecken kann. Ein erster Verdacht kann in der Regel von den behandelnden Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmedizinern überprüft werden.
Zur Diagnose werden ein EKG, Blutuntersuchungen auf Hinweise für eine Herzschädigung und ein Herzultraschall eingesetzt. Bei Bedarf folgen eine Magnetresonanztomografie des Herzens, eventuell auch eine Herzkatheteruntersuchung oder eine Computertomografie. Für die Einschätzung des Schweregrads ist unter anderem entscheidend, ob die Pumpfunktion eingeschränkt ist und wie ausgeprägt die Entzündung im MRT sichtbar wird.
Die meisten Herzmuskelentzündungen in der akuten Phase heilen innerhalb von weniger als vier Wochen ohne bleibende Folgen aus. In manchen Fällen dauert die vollständige Heilung bis zu drei Monate, dann spricht man von der subakuten Phase. Wird die Entzündung chronisch, fehlt meist der typische Brustschmerz. Dann treten vor allem Herzstolpern oder Kurzatmigkeit auf, im Herzultraschall zeigt sich oft eine eingeschränkte Herzpumpleistung.
In seltenen Fällen, etwa bei drei bis neun Prozent aller Patientinnen und Patienten, kommt es in der akuten Phase zu einem besonders schweren Verlauf. Dabei sind lebensbedrohliches Herzversagen oder Herzrhythmusstörungen möglich. Betroffene müssen intensivmedizinisch behandelt und engmaschig überwacht werden. In besonders schweren Fällen sind vorübergehende Kreislaufunterstützungssysteme oder eine Herztransplantation notwendig.
Zur Behandlung sagt Geppert: „Konsequente körperliche Schonung ist die wichtigste Maßnahme. Sport und größere körperliche Anstrengungen sind während der akuten Entzündung und direkt nach Abklingen der Erkrankung absolut tabu. Der sportbedingte Anstieg der Herzfrequenz kann nicht nur das Herz nachhaltig schädigen, sondern auch zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen“.
Wie lange eine Sportpause nötig ist, hängt vor allem vom Verlauf der Entzündung ab. Vor der Wiederaufnahme sportlicher Aktivitäten und insbesondere bei Leistungssport sollte eine genaue ärztliche Abklärung erfolgen. Entscheidend sind das Ausbleiben von Symptomen, eine normale Herzpumpleistung und das Fehlen von Herzrhythmusstörungen im Alltag sowie bei Belastung. Für die Prüfung der Herzrhythmusstörungen sind ein 24-Stunden-EKG und eine Ergometrie erforderlich.
Je nach Ursache und Verlauf werden begleitend Medikamente eingesetzt, darunter Schmerzmittel und fiebersenkende Medikamente, Antibiotika oder Antiarrhythmika. Fallweise kann ein implantierbarer Defibrillator erforderlich sein oder eine Defibrillatorweste die Zeit bis zur Erholung des Herzmuskels überbrücken.
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