Österreich und Interpol beraten in Lyon über Cyber-Geldflüsse

Bei Cyberkriminalität und großen Phishing-Angriffen sollen digitale Geldflüsse möglichst rasch eingefroren und Kryptoplattformen stärker eingebunden werden.
Am 2. und 3. November 2026 trafen Franz Ruf, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, und Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamts, in Lyon auf Interpol-Generalsekretär Valdecy Urquiza. Ruf und Holzer einigten sich dort erneut darauf, welchen Sicherheitsfragen besondere Bedeutung zukommen soll.
Informationen sachlicher Art ohne politische Färbung sollen künftig zwischen sämtlichen Mitgliedstaaten weitergegeben werden. Bei Cyberkriminalität mit internationaler Dimension wie auch bei umfangreichen Phishing-Attacken soll der digitale Geldfluss möglichst rasch blockiert werden. Kryptoplattformen sollten bei der Zusammenarbeit ohne Zeitverzug eine größere Rolle spielen.
Den europäischen Ermittlungsbehörden bereiten weiterhin zwei Dinge erhebliche Schwierigkeiten: der Abgleich von Daten zu Fahndungen und die Gewährleistung der Auslieferung gesuchter Personen. Personen aus kriminellen Netzwerken suchen nicht selten jenseits Europas Zuflucht in sogenannten Safe-Haven-Ländern. Interpol muss europäische Behörden unterstützen, weil ihnen sowohl das Auffinden gesuchter Personen als auch die Abstimmung mit den jeweiligen Ländern schwerfällt. Bei entsprechendem Bedarf wird zudem die Heranziehung von Interpol-Expertinnen und -Experten ausdrücklich befürwortet.
Franz Ruf hob die Wertschätzung der österreichischen Sicherheitsbehörden für Interpol hervor. Sie gilt sowohl der bisherigen Kooperation als auch der Unterstützung. Ruf zufolge gingen aus der Zusammenarbeit bei Fahndungen über Staatsgrenzen bereits zahlreiche Festnahmen hervor. Trotzdem müsse die Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinweg im Kampf gegen die organisierte Kriminalität weiter ausgebaut werden. Das sei vor allem bei Finanzströmen und Cyberkriminalität nötig. Den nationalen Behörden müsse Fachwissen für die Arbeit mit globalen Datenbanken zugänglich gemacht werden. Bürokratische Hemmnisse müssten zugleich verschwinden. „Ein valides und rasches Analyseergebnis ist der Ausgangspunkt für eine erfolgreiche globale Kriminalitätsbekämpfung“, sagte Ruf.
Interpol verbindet 196 Mitgliedstaaten
Seinen Ursprung hat Interpol in Wien, wo die Organisation am 7. September 1923 entstand. Von Beginn an sollte Interpol organisierte Kriminalität eindämmen und dafür sorgen, dass die strafrechtliche Verfolgung auch in anderen Ländern fortgesetzt werden kann. Heute stehen die Vernetzung der 196 Mitgliedstaaten und der rasche Informationsaustausch im Mittelpunkt. Dafür gibt es ein geschütztes Kommunikationsnetzwerk, das rund um die Uhr verfügbar ist. Nationale Polizeibehörden erhalten darüber jederzeit wichtige Informationen zu Personen, gestohlenen Reisedokumenten und Kraftfahrzeugen. Dies trägt wesentlich dazu bei, Straftaten schneller aufzuklären.
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