Hochwasserschutz im Oberpinzgau: Betroffene drängen auf rasche Umsetzung
Am Hintersee wird die Staumauer ab Ende September erhöht, wodurch das Rückhaltevolumen auf 500.000 Kubikmeter wächst. Betroffene fordern weitere Projekte.
Am Hintersee in Mittersill soll die Staumauer an der Felber Ache ab Ende September erhöht werden. Damit steigt das Fassungsvermögen des Rückhaltebeckens von 200.000 auf 500.000 Kubikmeter Wasser. Für die Baustelle laufen bereits Vorarbeiten, zu denen auch die Umsiedlung geschützter Tierarten zählt.
Das Projekt im Nationalpark Hohe Tauern wird in den Tauerntälern zumindest mittelfristig das einzige sein, das tatsächlich gebaut wird. In den kommenden Monaten will sich der Wasserverband Salzach-Oberpinzgau auf Vorhaben im Salzachtal konzentrieren. Das bereits genehmigte Projekt in Hollersbach kann nach einer Förderzusage des Bundes weitergehen. Danach sind Maßnahmen in Neukirchen-Sulzau sowie Verbesserungen des Hochwasserschutzes in Mittersill vorgesehen.
Forderung nach sichtbaren Schutzmaßnahmen
Fünf Jahre nach dem Hochwasser vom Juli 2021 verlangen Betroffene im Oberpinzgau eine raschere Umsetzung der angekündigten Schutzprojekte. Damals setzten außergewöhnliche Regenmengen weite Teile Salzburgs unter Wasser und verursachten Schäden in zweistelliger Millionenhöhe. Besonders stark betroffen war der Oberpinzgau. Schäden in Millionenhöhe gab es auch in Hallein, Eugendorf und dem benachbarten Berchtesgadener Land.
Christoph Hirscher vom Verein Lebensraum Oberpinzgau verweist darauf, dass rund 20.000 Menschen und zahlreiche Betriebe in der Region von wirksamem Hochwasserschutz abhängen. Zwar sei über Jahre an Planungen gearbeitet worden, in den Tauerntälern sei bisher jedoch kein Schutzprojekt baulich verwirklicht worden.
Zu den Betroffenen zählt der frühere Transportunternehmer Franz Koidl. Im Gewerbegebiet Mittersill-West stand das Wasser während der Flut meterhoch. Weil der Damm zu niedrig war, wurden mehrere Fahrzeuge überflutet. Der Schaden an seinen Fahrzeugen belief sich auf rund 1,3 Millionen Euro und war durch eine Kaskoversicherung gedeckt. Für Gebäude und Maschinen seiner Werkstatt kamen 450.000 Euro hinzu.
Koidl erhielt nach eigenen Angaben rund 100.000 Euro aus dem Katastrophenschutzfonds des Landes. Für die Schäden auf dem Betriebsgelände wurden 17.000 Euro ersetzt, da keine Hochwasserversicherung bestand. Freiwillige Helferinnen und Helfer unterstützten ihn über Monate bei den Aufräumarbeiten. Die Erinnerungen an die Flut verbinden für ihn Verzweiflung und Trauer ebenso wie Dankbarkeit für diese Hilfe.
Im September 2021 bildeten etwa 5.000 Menschen eine Menschenkette zwischen Krimml und Niedernsill. Sie verlangten damals Schutzmaßnahmen auch in den teils streng geschützten Tauerntälern. Das Land Salzburg investierte seit 2021 rund sieben Millionen Euro in Hochwasserschutzprojekte im Oberpinzgau, unter anderem in Uttendorf und Neukirchen am Großvenediger. Im Gewerbegebiet Mittersill-West wurden Damm und Mauer inzwischen erhöht. Weil viele weitere Vorhaben noch nicht genehmigt oder umgesetzt sind, bleibt bei Unternehmerinnen und Unternehmern die Sorge, dass der Schutz beim nächsten Starkregen nicht ausreichen könnte.
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