Innsbruck benennt Hermann-Gmeiner-Straße in Josefine-Sölder-Straße um
Die frühere Hermann-Gmeiner-Straße in Innsbruck heißt nun Josefine-Sölder-Straße. Die Stadt setzt auf eine verantwortungsvolle Erinnerungskultur.
Die frühere Hermann-Gmeiner-Straße im Innsbrucker Stadtteil Amras trägt nun offiziell den Namen Josefine-Sölder-Straße. Anlass für die Umbenennung sind die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle rund um den Gründer von SOS-Kinderdorf.
Der Innsbrucker Gemeinderat hatte die Änderung bereits im April beschlossen. Die Abstimmung fiel einstimmig aus, die KPÖ enthielt sich jedoch und beanstandete die Auswahl des neuen Straßennamens.
Pädagogin und Landtagsabgeordnete gewürdigt
Josefine Sölder lebte von 1864 bis 1930. Sie war Lehrerin und Pädagogin sowie in den 1920er-Jahren eine der ersten weiblichen Abgeordneten im Tiroler Landtag. Dort gehörte sie der Christlich-Sozialen Partei an, aus der später die ÖVP hervorging.
Mit dem neuen Straßennamen will die Stadt an Sölders Einsatz für Bildung, Frauenrechte und gesellschaftliches Engagement erinnern. Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr (SPÖ) bezeichnete die Änderung als erste bewusste Umbenennung einer Straße nach einer verdienten Frau. Bislang habe Sölder weder ein Denkmal noch eine Statue gewidmet bekommen. Vizebürgermeister Georg Willi (Die Grünen) verwies auf die Widerstände, gegen die Sölder ihren Weg gegangen sei. Karoline Obitzhofer von JA – Jetzt Innsbruck, die den Kulturausschuss leitet, sieht darin einen Beitrag zu mehr Geschlechtergerechtigkeit im öffentlichen Raum.
Von 307 Innsbrucker Straßen, die nach Personen benannt sind, erinnern 23 an Frauen und 284 an Männer. Damit liegt der Frauenanteil bei acht Prozent. Die meisten Straßen und Brücken im Stadtgebiet tragen allerdings keine Personennamen, sondern etwa Flur-, Pflanzen- oder Tierbezeichnungen.
Missbrauchskomplex und weitere Aberkennungen
Eine Reformkommission führt im Zusammenhang mit Hermann Gmeiner 16 Verdachtsfälle von sexuellem oder schwerem sexuellem Missbrauch an. Acht Betroffene erhielten bereits eine Entschädigung. Fünf Personen stellten in diesem Komplex einen Antrag.
Auch der Tiroler Landtag nahm Ehrungen für Gmeiner und weitere Persönlichkeiten von SOS-Kinderdorf zurück. Gmeiner war unter anderem mit dem Ring des Landes ausgezeichnet worden, der höchsten Auszeichnung Tirols. In Imst wurden Denkmäler entfernt und Straßennamen geändert.
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