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Ein schmaler Wasserlauf fließt durch moosbewachsenes Moor mit grünen Gräsern.Bild mit KI erstellt

Bis September muss Österreich Pläne zur Wiederherstellung von Mooren vorlegen. Ein Modell und eine Broschüre sollen die Einschätzung erleichtern.

Österreich muss bis September nationale Wiederherstellungspläne für Moore vorlegen. Hintergrund ist die 2024 beschlossene EU-Renaturierungsverordnung, die alle Mitgliedstaaten zu Maßnahmen für intakte Naturflächen verpflichtet.

Nach dem Moorinventar des Umweltbundesamtes bedecken Moore in Österreich 44.000 Hektar. Mehr als 90 Prozent dieser Flächen sind durch Entwässerung beeinträchtigt.

Modell PEAT 3 veranschaulicht den Wasserhaushalt von Mooren

Das Karwendelgebiet gilt als Tiroler Beispiel für die Wiederherstellung von Mooren. Dort setzte sich der Biologe Hermann Sonntag, früher Geschäftsführer des Naturparks Karwendel, schon früh für solche Projekte ein. Der ausgebildete Klimapädagoge und zertifizierte Naturvermittler gründete zudem die Firma sonntagplus.

Gemeinsam mit dem FabLab Tirol entwickelte Sonntag in mehreren Schritten das digitale Modell PEAT 3, das eine Modellfirma herstellt. Es wurde im deutschsprachigen Raum bisher mehr als 15 Mal verkauft. Die zwei Modellkörper zeigen zum einen das Wachstum eines Moors mit Wasser und dichtem Untergrund, zum anderen ein geschädigtes Moor, aus dem Wasser rasch abfließt, sowie Möglichkeiten, Wasser zurückzuhalten. Mit einer zwölf Kilogramm schweren Transportbox und einem Vortrag stellte Sonntag das Modell bereits in Hamburg vor.

Mit PEAT 4 ist eine Weiterentwicklung geplant, die bei Wanderausstellungen eigenständig funktionieren soll. Sonntag erwägt außerdem, theoretische Wirkungsmodelle durch konkrete hydrologische Daten und Landschaftsmorphologien für spezielle Modellierungen auszubauen.

Broschüre soll die Bewertung von Feuchtlebensräumen erleichtern

Bei klassischen Hochmoorflächen in Tirol kamen bereits mit vielen Landwirten Renaturierungsverträge zustande. Das Engagement des zuständigen Beamten trug dazu bei. Schwieriger ist die Wiederherstellung nach Einschätzung Sonntags auf landwirtschaftlich genutzten organischen Böden.

An der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein in der Steiermark entstand eine weitere Hilfe. Andreas Bohner, Leiter der Abteilung Umweltökologie, verfasste die reich bebilderte Broschüre „Abschätzung des Renaturierungspotenzials von Feuchtlebensräumen mittels Zeigerpflanzen“. Sie soll im September ausgeliefert und online verfügbar werden. Als erste Orientierung richtet sie sich auch an Menschen ohne botanisches Spezialwissen.

Bohner nutzt Zeigerpflanzen, um den Zustand von Flächen einzuordnen. Moorpflanzen benötigen nährstoffarme Böden. Je weniger dieser Pflanzen vorkommen, desto aufwendiger oder aussichtsloser wird eine Wiedervernässung. Brennnesseln allein deuten ihm zufolge auf einen hohen Nährstoffgehalt hin, der gegen eine Wiedervernässung spricht. Als weitere Beispiele nennt er Groß-Wiesenknopf, Teufelsabbiss und österreichische Dorn-Hauhechel. Ihr Auftreten kann nach seiner Einschätzung darauf hinweisen, dass vor allem der Wasserhaushalt gestört ist und ein Entwässerungsgraben geschlossen werden könnte.

Bohner bezeichnet die Wiedervernässung als politisch sensibles Thema und fordert fachliche Kriterien für Entscheidungen. Viele ehemalige Moore seien heute Acker- oder Grünlandflächen über Torfboden und durch Kartierungen kaum erfasst. Aufwendige, jahrelange bodenphysikalische Messungen seien für eine erste Bewertung nicht praktikabel. Nach seiner Einschätzung kann eine Wiedervernässung an bestimmten Standorten auch Landwirten nützen, weil der Klimawandel den Grundwasserspiegel sinken lässt.

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