Arbeitslosigkeit bei Kärntnerinnen von 60 bis 65 steigt um 42,8 Prozent
KI-Bild Bei Frauen zwischen 60 und 65 Jahren stieg die Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich um 42,8 Prozent auf 182. Die AK Kärnten fordert bessere Chancen.
Kurz gefasst
KI-Zusammenfassung
- In Kärnten waren 182 Frauen zwischen 60 und 65 Jahren ohne Beschäftigung.
- Das sind 42,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.
- Die AK Kärnten setzt sich für eigene arbeitsmarktpolitische Programme für Frauen über 60 ein.
In Kärnten waren 182 Frauen zwischen 60 und 65 Jahren ohne Beschäftigung, ein Plus von 42,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die aktuellen Auswertungen des Arbeitsmarktservice (AMS) dokumentieren diese Entwicklung.
Der Equal Pay Day in Kärnten fiel 2026 auf den 3. November. Statistisch erreichen Frauen erst am Jahresende jenen Verdienst, den Männer bis zu diesem Stichtag erzielt haben. Frauen müssen ihre Erwerbsphase länger fortsetzen, weil das Pensionsalter nach und nach steigt. AK-Präsident Günther Goach knüpft die Anhebung des Pensionsalters an eine klare Erwartung: „Wer das Pensionsalter anhebt, muss auch dafür sorgen, dass Frauen über 60 realistische Chancen auf Beschäftigung haben.“
Zahlen belegen Einkommenslücke und steigende Arbeitslosigkeit
In Kärnten beträgt der Gender Pay Gap, also die Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern, 16,2 Prozent. Frauen haben damit im Schnitt 10.685 Euro pro Jahr weniger auf dem Konto. Die Arbeiterkammer erklärt die bis zu 40 Prozent niedrigere Pension mit geringeren Verdiensten, öfterer Teilzeitarbeit und längeren Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit.
Im Bezirk Spittal an der Drau beträgt der Einkommensunterschied 24,7 Prozent, in Klagenfurt-Stadt 10,9 Prozent. Die AK Kärnten deutet die unterschiedlichen Werte außerdem als Hinweis auf den Einfluss wenig transparenter Lohnsysteme.
Die Zahl der 60- bis 65-jährigen Frauen ohne Beschäftigung lag im August 2026 um 30 Prozent über dem Wert aus dem entsprechenden Vorjahresmonat. Im September lag die Zahl rund 37 Prozent über dem Wert vom September 2025. Bei den 60- bis 65-jährigen Frauen, die bereits seit mehr als einem Jahr ohne Beschäftigung waren, betrug der Zuwachs im August 14,4 Prozent und im September 34 Prozent. Im Oktober 2026 setzte sich der Anstieg bei den über 50-Jährigen fort: Insgesamt waren 2,5 Prozent mehr Menschen arbeitslos.
AK Kärnten fordert mehr Transparenz und bessere Chancen für ältere Frauen
Am 7. Juni 2026 lief die Frist für Österreich zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie aus. Michaela Eigner-Pichler, Referatsleiterin Beruf, Familie & Gleichstellung, sagt, ein Gesetzesentwurf liege „seit Monaten in der politischen Koordination auf Eis“. Seit dem 7. Juni 2026 gilt: Arbeitnehmer:innen und Gerichte können auch ohne österreichisches Umsetzungsgesetz bestimmte Vorgaben der Richtlinie geltend machen. Wer Fragen zur Einkommensgerechtigkeit hat, kann sich an die Arbeiterkammer und die Gewerkschaft wenden, die dazu Auskunft geben und Hilfe leisten.
AK-Wirtschaftsexperte Jürgen Kopeinig sagt: „Gerade bei älteren Frauen zeigt sich aber, dass zusätzliche Jahre im Erwerbsleben nicht automatisch zusätzliche Chancen bedeuten.“ Die AK Kärnten will die EU-Lohntransparenzrichtlinie umgesetzt sehen und setzt sich zugleich dafür ein, dass Frauen über 60 eigene arbeitsmarktpolitische Programme erhalten. Sie spricht sich zudem für mehr Möglichkeiten zur Qualifizierung und Weiterbildung, für Arbeitsplätze, die auf die Bedürfnisse älterer Beschäftigter abgestimmt sind, und für Arbeitszeiten mit Spielraum bis zur Pension aus. Weitere Forderungen sind intensivere Unterstützung für langzeitarbeitslose Frauen und verpflichtende arbeitsmarktpolitische Begleitmaßnahmen zur Anhebung des Frauenpensionsalters.
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