3.700 Kärntner Betriebe könnten bis 2035 übergeben werden

Bis 2035 könnte jeder vierte Kärntner Arbeitgeberbetrieb übergeben werden. Mit den betroffenen Unternehmen sind 39.900 Beschäftigte verbunden.
Kurz gefasst
KI-Zusammenfassung
- In Kärnten könnten bis 2035 rund 3.700 Arbeitgeberunternehmen an Nachfolger übergehen.
- Mit den möglichen Übergaben sind 39.900 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verbunden.
- Die Wirtschaftskammer Kärnten bietet bis zu zehn Stunden kostenlose Beratung durch Übergabe-Consultants an.
Bis 2035 könnten rund 3.700 Kärntner Arbeitgeberunternehmen an Nachfolger übergehen. Die Größenordnung liegt bei einem von vier Arbeitgeberbetrieben. Bei den möglichen Übergängen geht es auch um 39.900 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Studie der KMU Forschung Austria handelt von möglichen Übergaben und nicht von Betriebsschließungen, die bereits bevorstehen.
Für den Kärntner Handel nennt die Studie rund 800 mögliche Übergaben. Je 400 mögliche Übergaben betreffen das Baugewerbe und die Fertigung, für Beherbergung und Gastronomie nennt die Studie 600. Rund 9.600 Menschen sind in Unternehmen aus der Produktion beschäftigt. Bei diesen Betrieben könnte sich bis 2035 die Nachfolgefrage stellen.
Die Wirtschaftskammer Kärnten begleitet Betriebsübergaben
2025 gelang in Kärnten bei 545 Betrieben ein erfolgreicher Betriebswechsel. Die Zahl lag um 5,6 Prozent über jener des Jahres davor. In Österreich finden inzwischen 55 Prozent der Übergaben außerhalb der Familie statt. Zu den wiederkehrenden Hindernissen zählen steuerliche und bürokratische Anforderungen, notwendige Investitionen und der Kaufpreis.
WK-Präsident Jürgen Mandl spricht sich für weniger komplizierte Abläufe, steuerliche Entlastungen und einen leichteren Zugang zu Finanzierung aus. Mandl stellte die Bedeutung der Betriebe heraus: An ihnen hängen Arbeitsplätze, Kundenbeziehungen, die sich über Jahre entwickelt haben, und vielfach auch die Nahversorgung ganzer Gemeinden. Mandl sagte, dass ohne einen Nachfolger diese Verbindungen und Leistungen gefährdet wären.
Im Servicezentrum sowie in den Bezirksstellen führt die Wirtschaftskammer Kärnten persönliche Beratungsgespräche zum Einstieg und bietet außerdem rechtliche und wirtschaftliche Beratung. Bei der Suche nach Nachfolgern hilft die Kammer ebenfalls. Ihre Nachfolgebörse vernetzt Menschen mit Interesse an einem Betriebsübergang, die dafür nichts bezahlen müssen. Wer Fragen zur Übergabe genauer klären möchte, kann sich von spezialisierten Übergabe-Consultants bis zu zehn Stunden lang kostenlos beraten lassen. Jutta Steinkellner, Leiterin des Servicezentrums der Wirtschaftskammer Kärnten, rät dazu, früh mit der Planung zu beginnen. Dabei gehe es unter anderem um den Unternehmenswert, Verträge, Beschäftigte, Finanzierung und persönliche Fragen.
Markus Sylle führt den Betrieb mit seinem Vater
Wie eine Übergabe innerhalb der Familie aussehen kann, zeigt Markus Sylle, Geschäftsführer der Sylle Elektro Haus- und Heizungstechnik GmbH und Landesinnungsmeister der Kärntner Mechatroniker. Als Kind begleitete er seinen Vater Walter auf Baustellen. Nach einem zunächst anderen Ausbildungsweg kam Sylle über eine Lehre zum Elektro- und Gebäudetechniker und weitere Qualifikationen in den Betrieb. Mit 22 Jahren übernahm er unternehmerische Verantwortung.
2025 gründeten Vater und Sohn die heutige GmbH, die sie gemeinsam führen. Sylle sagt, er könne auf die Erfahrung seines Vaters zurückgreifen und zugleich eigene Ideen einbringen. Für eine gelingende Nachfolge seien offene Gespräche und das gegenseitige Vertrauen in Entscheidungen wichtig. Beide Generationen müssten bereit sein, Verantwortung weiterzugeben und zu übernehmen.
Das Familienunternehmen verfügt über einen eigenen Standort mit Büro- und Lagerflächen, der weitere Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet. Sylle möchte neue Geschäftsfelder erschließen und selbst einen Lehrling ausbilden.
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