Cyber Security Day zeigt Tiroler Betrieben Wege zum Schutz

Bei zwölf Fach-Sessions und einem Planspiel erhielten Tiroler Betriebe Einblicke in Cyberangriffe, Schutzmaßnahmen und neue Vorgaben.
Beim Cyber Security Day 2026 am 1. Oktober ging es darum, wie Tiroler Betriebe sich besser vor Ransomware, Phishing und Datendiebstahl schützen können. Expertinnen und Experten stellten aktuelle Angriffsmethoden, Schutzmaßnahmen und neue regulatorische Anforderungen vor.
Auf dem Programm standen ein Planspiel und zwölf Fach-Sessions. Das Planspiel „Cyber Attack Simulation“ eröffnete den Veranstaltungstag in der Wirtschaftskammer Tirol.
Planspiel simuliert Ausfall von Unternehmenssystemen
Bei der Übung wurde ein Angriff nachgestellt, bei dem zentrale Systeme eines Unternehmens ausfallen, die Produktion stillsteht und der Zugriff auf Kundendaten nicht mehr möglich ist. Dreißig Unternehmerinnen und Unternehmer nahmen daran teil.
Der ehemalige Kriminalpolizist Oliver Hietz von der Agentur Cyberschutz sprach in seiner Keynote über reale Schadensfälle, Erpressungsmuster und Verhandlungsstrategien von Cyberkriminellen. Er erläuterte, dass Angreifer häufig personenbezogene oder geschäftskritische Daten stehlen, bevor sie IT-Systeme verschlüsseln. Werden Lösegeldforderungen nicht erfüllt, drohen Täter mit der Veröffentlichung oder dem Verkauf der Daten im Darknet. Hietz verwies auf Fälle, in denen Daten dort angeboten werden können, bevor Betroffene von einem Diebstahl wissen.
Wirtschaftskammer betont Vorbereitung auf Cyberangriffe
IT-Expertin Nicole Mayr demonstrierte Angriffsszenarien. David Wind von slashsec Red Teaming zeigte anhand von Sicherheitsüberprüfungen, wie Angreifer physische Barrieren überwinden können. Benjamin Floriani behandelte Penetrationstests aus der Perspektive eines Hackers. Weitere Themen waren die EU-Richtlinie NIS2, Risiken durch künstliche Intelligenz, der EU AI Act, Compliance und Informationssicherheitsmanagement. Clemens Sauerwein von der Universität Innsbruck präsentierte einen Best-Practice-Guide für kleine und mittlere Unternehmen.
Peter Stelzhammer von der Wirtschaftskammer Tirol sagte, in Österreich würden jährlich rund 60.000 Fälle von Internetkriminalität angezeigt und mittlerweile sei jeder siebte Angriff erfolgreich. Größere Unternehmen und Betriebe mit eigener IT hätten ihre Cyber-Sicherheit in den vergangenen Jahren ausgebaut. Bei kleinen Unternehmen, Einzelunternehmerinnen und Einzelunternehmern sowie den meisten Tourismusbetrieben bestehe dagegen großer Aufholbedarf. Als Beispiele für Angriffe auf Tiroler Unternehmen nannte die Wirtschaftskammer eine Phishing-Welle gegen Kundinnen und Kunden eines Innsbrucker Hotel-Software-Anbieters zu Jahresbeginn und eine Ransomware-Attacke, die die IT- und Telefonsysteme eines Tiroler Industrieunternehmens zeitweise lahmlegte. Zu den möglichen Folgen erfolgreicher Angriffe zählen laut Stelzhammer Betriebsausfälle, entgangene Umsätze, Lösegeldforderungen, Datenschutzverletzungen und Reputationsschäden. Angriffe über Lieferketten können auch Geschäftspartner und Kunden betreffen.
Stelzhammer sagte, ein Cyberangriff beginne häufig mit einem Anruf oder einer täuschend echt gestalteten Phishing-Mail. Menschen seien deshalb die erste und wichtigste Verteidigungslinie. Unternehmen sollten mögliche Angriffsszenarien vor einem Ernstfall durchdenken und Zuständigkeiten, Backups sowie Kommunikationswege festlegen. Sybille Regensberger, Obfrau der Sparte Information & Consulting, sagte, wer damit bis zu einem Angriff warte, verliere wertvolle Zeit. Cyber-Sicherheit sei keine einmalige technische Investition, sondern ein laufender Prozess.
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