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Pensionierungswelle lässt Personalmangel bei Polizeiärzten drohen

In Wien sind 172 Polizeiärztinnen und Polizeiärzte tätig. Das Innenministerium sucht Nachwuchs, weil eine Pensionierungswelle Personalmangel bringen könnte.

Bei einer Pressekonferenz mit der Ärztekammer am 15. Oktober warben zwei Chefärztinnen des Innenministeriums um Nachwuchs für den Polizeiarztberuf. Gesucht werden Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner sowie Fachärztinnen und -ärzte. In Wien sind derzeit 172 Polizeiärztinnen und Polizeiärzte beschäftigt. Die Chefärztinnen Patricia Fous-Zeiner und Yasmin Frank-Dastmaltschi warnten vor Personalmangel durch eine bevorstehende Pensionierungswelle.

In der Landespolizeidirektion Wien arbeiten derzeit 28 Ärztinnen und Ärzte. Fous-Zeiner sagte, seit einer Reform vor einigen Jahren meldeten sich für den Polizeidienst neben Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern auch viele Fachärztinnen und Fachärzte. Sie beschrieb die Tätigkeit als abwechslungsreich und betonte die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen. Teamarbeit, selbstständiges Handeln und rasche Entscheidungen in Stresssituationen gehörten dazu. Für den Beruf brauche es auch Mut zu Entscheidungen unter Zeitdruck und Belastbarkeit. Fous-Zeiner verwies zudem auf gute Aufstiegschancen.

Polizeiärztinnen und Polizeiärzte kommen aus unterschiedlichen Fachrichtungen und absolvieren einen eigens konzipierten Lehrgang. Er umfasst unter anderem rechtliche Vorträge, Verkehrsrecht und Verkehrsmedizin, Forensik, Psychiatrie, Medizinrecht und Kriminalistik. Eine exekutivdienstliche Ausbildung ist nicht erforderlich. Voraussetzung sind eine abgeschlossene Ausbildung als Allgemeinmedizinerin oder Allgemeinmediziner und/oder als Fachärztin oder Facharzt, die österreichische Staatsbürgerschaft, volle Handlungsfähigkeit, die polizeiamtsärztlich festgestellte gesundheitliche Eignung und eine Lenkberechtigung der Klasse B.

Zu den Aufgaben zählen die Beurteilung von Körpereinschränkungen, Untersuchungen nach dem Unterbringungsgesetz und die Tatortarbeit mit der Kriminalpolizei und den rechtskundigen Organen. Polizeiärztinnen und Polizeiärzte betreuen auch Häftlinge im Polizeiarrest und beurteilen, ob jemand haftfähig oder zurechnungsfähig ist. Amtsärztinnen und Amtsärzte werden im Straßenverkehr beigezogen, um festzustellen, ob eine Person etwa durch Alkohol oder Suchtgift beeinträchtigt ist.

Polizeiamtsärzte beurteilen die medizinische Fahreignung

In den Landespolizeidirektionen sind Polizeiamtsärztinnen und -ärzte auch Sachverständige nach der Führerscheingesetzgesundheitsverordnung. Sie beurteilen die medizinische Eignung zum Lenken und entscheiden über Auflagen oder notwendige Kontrollen während eines Befristungszeitraums. Einsatztaktik, Einsatzlogistik und Parteienverkehr gehören ebenfalls zu ihrem Alltag. Die Tätigkeit verbindet Medizin, Recht und Polizeiarbeit.

Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, sagte, für den Beruf brauche es neben medizinischer Kompetenz auch hohe Belastbarkeit und Entscheidungsfähigkeit. Er verwies auf die bevorstehende Pensionierung von 18.000 Ärztinnen und Ärzten. Das werde auch die Polizeiärztinnen und Polizeiärzte betreffen. Yasmin Frank-Dastmaltschi sagte, vor vier Jahren seien die Gehälter angepasst und Teilzeitstellen eingerichtet worden, damit sich Beruf und Familie besser vereinbaren lassen. Sie verwies auf einen zunehmenden Zulauf von Frauen und bezeichnete den Beruf als abwechslungsreiche Alternative zum Spital.

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