Drei Viertel der Industrie-Führungskräfte erwarten Deindustrialisierung Österreichs
Bild mit KI erstellt Laut dem Made in Austria IndustriePANEL der TU Wien rechnen 76,3 Prozent der befragten Industrie-Führungskräfte binnen zehn Jahren mit einer Deindustrialisierung. Die Standortbewertung fällt auf einen Tiefstand.
Drei von vier Industrie-Führungskräften rechnen damit, dass Österreich in den kommenden zehn Jahren Industrie verliert: 76,3 Prozent erwarten eine Deindustrialisierung des Landes. So schlecht wie noch nie schneidet zugleich der heimische Standort ab. Nur 30,7 Prozent halten die internationale Wettbewerbsfähigkeit ihrer Standorte in Österreich für gut, das ist der niedrigste bisher gemessene Wert. Besser fällt das Urteil über das eigene Geschäft aus: 55,7 Prozent sehen die Lage ihres Unternehmens auf dem Weltmarkt positiv oder sehr positiv, um 5,2 Prozentpunkte mehr als 2025.
Diese Zahlen stammen aus dem „Made in Austria IndustriePANEL (MiA): Zukunft Produktionsarbeit Österreich“ der TU Wien, das heuer zum achten Mal erschienen ist. Befragt wurden 106 Führungskräfte aus 101 produzierenden Unternehmen. Partner der TU Wien sind Fraunhofer Austria, die FHWien der WKW, EIT Manufacturing East und der Fachverband der Metalltechnischen Industrie. Präsentiert hat die Ergebnisse Studienautor Walter Mayrhofer, Forschungsleiter an der FHWien, am 19. Oktober beim „MiA-IndustrieFORUM 2026“ im TUtheSky.
Weniger Jobs in der heimischen Produktion erwartet
Bei der Beschäftigung gehen die Erwartungen auseinander. Weltweit erwarten 63,8 Prozent der Firmen in den nächsten fünf Jahren wachsende Belegschaften. Für Produktion und produktionsnahe Bereiche in Österreich rechnen dagegen 60,5 Prozent mit einem Rückgang. 85 Prozent finden, dass ihre heimischen Standorte in den vergangenen fünf Jahren an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt haben. Der Anteil der Beschäftigten, die in Österreich in Produktion oder produktionsnahen Bereichen arbeiten, ist auf 45,7 Prozent gefallen. Laut Studie kann das auf eine Verlagerung der Produktion hindeuten.
Als innovativ stufen sich 88,3 Prozent der befragten Unternehmen ein. Neue Produkte und Services machen bereits 28,4 Prozent des Umsatzes aus, so viel wie nie zuvor. Um steigende Lohnstückkosten und fehlende Fachkräfte auszugleichen, automatisieren die Betriebe stärker. Mit Maßnahmen der Kreislaufwirtschaft erzielen die Firmen etwa gleich viel Umsatz wie bisher. Ein Viertel der Befragten sieht dadurch leicht positive Effekte auf neue Arbeitsplätze.
Mehr Roboter und KI, Menschen bleiben wichtig
Auf 10.000 Beschäftigte kommen an den österreichischen Standorten der befragten Betriebe im Schnitt 517 Industrieroboter, mehr als doppelt so viele wie 2020. KI-Werkzeuge oder maschinelles Lernen setzt mit 59,1 Prozent erstmals eine Mehrheit in der Produktion oder in produktionsnahen Bereichen ein, ein Plus von 10,2 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Trotzdem halten 96,8 Prozent menschliche Arbeit für wichtig oder sehr wichtig.
Als Belastung für den Standort nennt Studienautor Sebastian Schlund, Leiter des Forschungsbereichs Industrial Engineering am IMW der TU Wien und Geschäftsführer von Fraunhofer Austria, hohe Kosten, geopolitische Unsicherheiten und den Druck durch internationale Konkurrenz. Er plädiert dafür, Forschung, Innovation und industrielle Produktion wirksamer zu verbinden, damit Wertschöpfung im Land bleibt. Sabine Hesse, Geschäftsführerin des Fachverbands Metalltechnische Industrie, verlangt konkurrenzfähige Kosten, weniger Bürokratie sowie eine zügige und für KMU taugliche Umsetzung der Industriestrategie. Hannes Hunschofsky, Managing Director der EIT Manufacturing East GmbH, setzt auf engere europäische Zusammenarbeit, gezielte Förderung von Schlüsseltechnologien und eine feste Einbindung Österreichs in grenzüberschreitende Wertschöpfungsketten. Laut Mayrhofer entfalten Automatisierung und KI ihr Potenzial erst, wenn Firmen auch in die Qualifizierung ihrer Beschäftigten und in sichere Technologien investieren.
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