Tiroler Industrie fordert niedrigere Energiekosten

Die Wirtschaftskammer Tirol fordert neben niedrigeren Energiekosten Investitionsanreize und raschere Genehmigungsverfahren.
Die Tiroler Industrie erreichte 2025 mit einer abgesetzten Produktion von 15,8 Milliarden Euro einen neuen Höchstwert. Gegenüber dem Vorjahr entsprach das einem Plus von 9,2 Prozent.
In Österreich stieg die Industrieproduktion 2025 um 2,9 Prozent. Seit 2022 ging sie dort um 16,7 Prozent zurück, während sie in Tirol im selben Zeitraum um 10,1 Prozent zulegte. Tirols Anteil an der österreichischen Industrieproduktion erhöhte sich auf 7,5 Prozent und erreichte damit den höchsten Wert seit 2014.
Wachstum stützt sich auf wenige Branchen
Die stärksten Zuwächse verzeichneten Pharma mit 34,9 Prozent, elektrische Ausrüstungen mit 17,9 Prozent und der Tiefbau mit 14,4 Prozent. Die Glas- und Keramikindustrie lag 2025 nominell nur 0,8 Prozent über dem Niveau von 2015. Real bedeutete das einen deutlichen Rückgang. Karlheinz Wex, Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Tirol, warnte vor Euphorie. Die guten Werte beruhten auf wenigen Branchen und Standorten.
Im Mai 2026 waren 38.314 Menschen in der Tiroler Industrie beschäftigt. Das waren rund 4.200 weniger als beim Höchststand 2015. Die Beschäftigtenzahl lag damit auf dem tiefsten Stand seit 2009. Laut TOP-Tirol-Konjunkturbarometer vom Sommer 2026 planten nur 4 Prozent der Industriebetriebe, mehr zu investieren. Das war der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung 2010. In der Tiroler Gesamtwirtschaft lag der Anteil bei 13,1 Prozent. Spartengeschäftsführer Mag. Oswald Wolkenstein warnte, nicht getätigte Investitionen würden sich später bei Produktion, Exporten und Löhnen bemerkbar machen.
Industriesparte verlangt Entlastung und schnellere Verfahren
Rund 90 Prozent des Stroms stammen laut Wirtschaftskammer Tirol aus erneuerbaren Quellen. Die Strompreise seien dennoch nicht wettbewerbsfähig. Kurzfristig fordert die Sparte eine verlässliche Strompreiskompensation oder einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis sowie niedrigere Netzentgelte. Mittelfristig soll die Tiroler Eigenerzeugung zügig ausgebaut und durch Speicher ergänzt werden.
Steuerliche Anreize sollen bereits 2027 Investitionsentscheidungen auslösen. Als Möglichkeiten nennt die Sparte eine Sofort- oder degressive Abschreibung, eine planbare Forschungsprämie und eine Investitionsprämie für Dekarbonisierung und Digitalisierung. Genehmigungsverfahren sollen digital und gebündelt innerhalb verbindlicher Fristen abgewickelt werden. Außerdem fordert die Sparte betriebliche Vorsorgeflächen in der Raumordnung. Betriebserweiterungen scheiterten in Tirol häufig an fehlenden Flächen.
Zu den weiteren Forderungen zählen eine Stärkung der Lehre und der technischen Ausbildung sowie ein spürbarer Bürokratieabbau. Wex verwies auf die Industriestrategie 2035 der Bundesregierung und verlangte, den Ankündigungen rasch Taten folgen zu lassen.
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