Inklusive Bildung hängt in Österreich vor allem vom Wohnort ab
Bild mit KI erstellt Eine Analyse von Lebenshilfe, Inklusion Österreich und Diakonie beziffert den Anteil inklusiv unterrichteter Kinder je nach Bundesland mit 43 bis 84 Prozent.
Eine vergleichende Analyse von Lebenshilfe, Inklusion Österreich und Diakonie zeigt deutliche Unterschiede bei der inklusiven Beschulung. Je nach Bundesland reicht der Anteil der inklusiv unterrichteten Kinder von 43 bis 84 Prozent. Die Organisationen bezeichnen die Bedeutung des Wohnorts dafür als „Wohnortlotterie“.
Im Schuljahr 2024/25 hatten 31.411 Kinder und Jugendliche einen sonderpädagogischen Förderbedarf. 36,6 Prozent von ihnen besuchten eine Sonderschule. Die Analyse hält fest, dass Österreich sich 2008 mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention zu einem inklusiven Schulsystem verpflichtet hat. Fast zwei Jahrzehnte später sei dieses Versprechen nicht eingelöst.
Die Organisationen verglichen unter anderem, wie viele der rund fünf Prozent der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf inklusiv unterrichtet werden, wie Schulassistenz geregelt ist, wie Ressourcen zwischen Sonderschulwesen und inklusiver Bildung verteilt sind und wie oft Suspendierungen vorkommen. Laut den Organisationen vergleicht der Bericht erstmals systematisch die Umsetzung schulischer Inklusion in allen neun Bundesländern. Er stützt sich auf Daten der Statistik Austria, Auskünfte der neun Bildungsdirektionen sowie Erfahrungsberichte von Familien, Expertinnen und Experten und Lehrkräften.
Mehr als die Hälfte ist nach der Sonderschule ohne Anschluss
Zu den Bildungs- und Berufswegen junger Menschen mit Behinderungen gibt es bislang nur wenige Daten. Studien zeigen deutliche Unterschiede. In Österreich ist mehr als die Hälfte der Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf zwei Jahre nach dem Verlassen der Sonderschule ohne Anschluss an Bildung, Arbeit oder Unterstützungsangebote.
Die Organisationen halten fest, dass Inklusion dort gelinge, wo die Rahmenbedingungen gut seien. In Klassen, in denen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf überwiegend inklusiv lernen, profitierten laut ihnen alle von vielfältigen Lerngruppen, gemeinsamer Verantwortung und einem Unterricht, der Vielfalt als Chance verstehe.
Die Analyse zeigt laut den Organisationen gravierende Daten- und Transparenzlücken. Veröffentlichte Daten der Statistik Austria und der Bundesländer seien oft widersprüchlich und schwer vergleichbar. Die Organisationen fordern ein inklusives Bildungssystem ohne separates Sonderschulwesen, eine klare Umverteilung der Ressourcen hin zu inklusiven Regelschulen, bundesweit einheitliche Standards und eine bessere Datenlage. Außerdem verlangen sie ein klares Bekenntnis zur inklusiven Bildung und eine Haltung, die strukturelle Diskriminierung beendet. Gemeinsames Lernen dürfe für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen nicht mit der Pflichtschule enden. Ziel sei, dass jedes Kind entsprechend seinem Unterstützungsbedarf wohnortnah inklusiv lernen könne, ohne wegen einer Behinderung ausgesondert zu werden.
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