Land Tirol zeigt, wie Haushalte Legionellen vorbeugen
Bild mit KI erstellt Legionellen gelangen vor allem über belastete Wassertröpfchen in die Atemwege. Das Land empfiehlt unter anderem, Wasserleitungen heiß durchzuspülen.
Legionellen sind Bakterien, die bei Menschen schwere Lungenentzündungen auslösen können. Diese Erkrankung wird Legionärskrankheit genannt. In Leitungen mit stehendem, warmem Wasser finden die Bakterien einen guten Nährboden. In Warmwassersystemen vermehren sie sich besonders bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius. Erst bei Temperaturen über 60 Grad Celsius sterben sie verlässlich ab.
Ein erhöhtes Risiko besteht, wenn Wasser nicht ausreichend erhitzt oder regelmäßig ausgetauscht wird, etwa in selten genutzten Leitungen. In warmen Sommermonaten können sich Legionellen auch in unzureichend isolierten Kaltwasserleitungen bilden, wenn diese sich erwärmen. Eine Infektion entsteht vor allem durch das Einatmen feinster belasteter Wassernebel oder Wassertröpfchen, nicht durch das Trinken des Wassers. Der Großteil der Personen, die Legionellen eingeatmet haben, bleibt ohne Symptome. Besonders gefährdet sind Erwachsene mit geschwächtem Immunsystem, ältere Menschen und Personen mit chronischen Lungenerkrankungen.
Das Land Tirol warnt vor Legionellen in Warmwassersystemen
Lange Hitzeperioden im Sommer können die Verbreitung in Warmwassersystemen begünstigen, erklärt Amtsärztin Barbara Schmid. Menschen duschen dann zwar öfter, aber kälter, Warmwasserleitungen werden seltener genutzt und in erwärmten Gebäuden steigt auch die Temperatur in Kaltwasserleitungen. Schmid betont, dass Wasserleitungen auch im Herbst bei teils noch warmen Temperaturen gut mit heißem Wasser durchgespült werden sollen.
Das Land hat ein Informationsschreiben an Alten- und Pflegeheime, die Gesundheitsämter der Bezirkshauptmannschaften und der Stadt Innsbruck, Krankenanstalten sowie niedergelassene Fachärztinnen und Fachärzte für Allgemeinmedizin und Innere Medizin übermittelt. Legionellen kommen natürlicherweise in der Umwelt und besonders im Wasser vor. Sie können auch in Kühltürmen, Whirlpools, Befeuchtungsanlagen, Innen-Dekorationsbrunnen, Beckenbädern und Thermalquellen sowie in Warmwasserversorgungsanlagen von Großgebäuden auftreten.
Haushalte sollen Wasserleitungen heiß durchspülen
Der zentrale Warmwasserspeicher sollte auf mindestens 60 Grad Celsius eingestellt sein. An Wasserhähnen sollte das Warmwasser nach kurzem Vorlauf mindestens 50 Grad Celsius erreichen. Werden Leitungen länger als drei Tage nicht genutzt, sollten alle Warm- und Kaltwasserhähne für ein bis zwei Minuten aufgedreht werden, damit das stehende Wasser abfließt.
Duschköpfe und Armaturen sollten regelmäßig gereinigt und entkalkt werden, weil Kalk und Biofilme Bakterien als Nährboden dienen. Länger ungenutzte Leitungen sollten vor der Verwendung mindestens fünf Minuten bei geringem Durchfluss mit heißem Wasser durchgespült werden. Dabei sollen Duschköpfe und Brausen möglichst flach auf dem Wannen- oder Duschboden liegen und der Raum kurz verlassen werden. Wasserführende Geräte wie Klimageräte, Whirlpools, Innen-Dekorationsbrunnen, Sprühnebel-Ventilatoren, Luftbefeuchter und Schlafatemtherapie-Geräte sollen nach den Herstellerangaben gewartet und gereinigt werden.
Für Gebäude gelten Vorgaben und Meldepflichten
Für Betreiber von Gebäuden mit Trinkwasserversorgungsanlagen und für öffentliche Einrichtungen gelten in Österreich verbindliche Vorgaben. Je nach Risikoklasse unterscheiden sich die Anforderungen und Prüfintervalle. Betreiber von Trinkwasserversorgungsanlagen in Großgebäuden sollten nach den gesetzlichen Vorgaben einen Wassersicherheitsplan erstellen, der unter anderem Überwachungs-, Wartungs- und Spülpläne enthält.
Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfälle durch Legionellen sind meldepflichtig. Bei einem Ausbruch können die Gesundheitsämter der Bezirksverwaltungsbehörden mit Unterstützung der AGES gezielte Maßnahmen anordnen, die die zuständigen Träger oder Betreiber umsetzen müssen. Auch heuer gab es bereits Legionellen-Fälle. Bei Anlassfällen führen die Gesundheitsbehörden Beprobungen durch.
Die Legionärskrankheit äußert sich typischerweise als schwere Lungenentzündung mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Husten sowie Kopf- und Brustschmerzen. Auch Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen können auftreten. Wirksame Antibiotika stehen zur Verfügung. Mildere Verläufe ohne Lungenentzündung können grippeähnliche Beschwerden verursachen, die meist innerhalb weniger Tage von selbst abklingen. Eine Erkrankung ohne Beschwerden ist ebenfalls möglich. Eine Übertragung der Legionärskrankheit von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.
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