Erste Migrationsgeneration häufiger ohne Arbeit oder Ausbildung
Bild mit KI erstellt 2022 waren 27,3 Prozent der Jugendlichen der ersten Migrationsgeneration weder in Beschäftigung noch in Ausbildung oder Schulung.
Ein Forschungsbericht des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) untersucht Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren, die weder beschäftigt sind noch eine Ausbildung oder Schulung absolvieren. Sie zählen zur sogenannten NEET-Gruppe. Das Institut für Höhere Studien (IHS) erstellte den Bericht im Auftrag des ÖIF. Er stützt sich auf die aktuellsten für die Untersuchung verfügbaren Daten sowie auf quantitative Auswertungen und qualitative Interviews.
2022 waren 27,3 Prozent der Jugendlichen der ersten Migrationsgeneration von einem NEET-Status betroffen. Das war mehr als dreimal so häufig wie bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund, deren Anteil bei 8,7 Prozent lag. Bei Jugendlichen der zweiten Generation betrug er 13,3 Prozent.
Anteile unterscheiden sich nach Herkunft und Geschlecht
Innerhalb der Gruppe mit Migrationshintergrund reichte der Anteil nach Geburtsland von 16,3 Prozent bei in Deutschland Geborenen über 24,3 Prozent bei Jugendlichen aus der Russischen Föderation bis zu 33,0 Prozent bei Jugendlichen aus Afghanistan und Syrien. Bei Jugendlichen aus sonstigen europäischen Staaten, darunter etwa der Ukraine und Georgien, lag er bei 46,6 Prozent.
Auch zwischen jungen Frauen und Männern einzelner Herkunftsgruppen gab es Unterschiede. Bei Jugendlichen aus der Türkei waren 21,5 Prozent der jungen Männer und 33,2 Prozent der jungen Frauen weder in Beschäftigung noch in Ausbildung oder Schulung. Bei Jugendlichen aus Afghanistan und Syrien fiel der Unterschied zwischen den Geschlechtern vergleichsweise gering aus. Unter den Jugendlichen mit NEET-Status hatten über 60 Prozent derjenigen mit Migrationshintergrund höchstens einen Pflichtschulabschluss, gegenüber 50,2 Prozent derjenigen ohne Migrationshintergrund. Ein hohes Bildungsniveau hatten 14 Prozent der ersten Generation und 28 Prozent der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund.
Von den 2021 erfassten Jugendlichen mit NEET-Status waren 24 Monate später 12,9 Prozent in Ausbildung und 26,4 Prozent beschäftigt. Insgesamt gelang 39,3 Prozent der Einstieg in Ausbildung oder Arbeit. Jugendliche der zweiten Generation erreichten ähnliche Übergangsanteile wie Gleichaltrige ohne Migrationshintergrund: Bei Männern lagen die Werte bei 47,5 gegenüber 44,5 Prozent, bei Frauen bei 43,1 gegenüber 43,7 Prozent. In der ersten Generation waren nach 24 Monaten jeweils rund 7 Prozent der Männer und Frauen in Ausbildung. Beschäftigt waren 26,9 Prozent der Männer und 17,6 Prozent der Frauen. Bei Frauen der ersten Generation waren 24 Monate später 24,7 Prozent in Ausbildung oder Beschäftigung, gegenüber rund 43,7 Prozent der Frauen ohne Migrationshintergrund und 43,1 Prozent der Frauen der zweiten Generation.
Die qualitativen Interviews mit Jugendlichen und Expertinnen und Experten heben Übergänge zwischen Schule, Ausbildung und Arbeit als wichtige Phasen hervor. Berufliche Orientierung, Bewerbungen und Aufnahmeverfahren müssten dabei oft gleichzeitig bewältigt werden. Praktische Erfahrungen wie Schnuppertage und Praktika könnten helfen, Berufsbilder einzuschätzen und Berufswünsche zu entwickeln. Der Bericht nennt niederschwellige Betreuung, praktische Unterstützung, Eigeninitiative und Motivation als wichtige Faktoren. Auch Deutschkenntnisse, darunter Lesen, Schreiben und Textverständnis, könnten Bildungs- und Berufschancen eröffnen. Familiäre Erwartungen zu Ehe, Mutterschaft und Erwerbstätigkeit könnten die Möglichkeiten junger Migrantinnen in einzelnen Fällen einschränken.
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