Erdäpfelernte in Österreich fällt deutlich kleiner aus
Bild mit KI erstellt Hitze, Trockenheit und Drahtwurm belasten die Ernte. LK NÖ und IGE fordern Lösungen bei Wasser, Pflanzenschutz und Marktbedingungen.
Die Erdäpfelernte in Österreich fällt 2026 deutlich kleiner aus als im Vorjahr. Die von Statistik Austria veröffentlichten Schätzungen beziffern sie auf 468.000 Tonnen. In einem durchschnittlichen Jahr liegt die Gesamternte laut Aussendung bei rund 700.000 Tonnen.
Landwirtschaftskammer NÖ und InteressenGemeinschaft Erdäpfelbau (IGE) führen den Rückgang vor allem auf anhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen während wichtiger Wachstumsphasen zurück. Nach zunächst guten Bedingungen beim Legen im Frühjahr setzten ab Juni Hitze und Trockenheit ein. Ab Juli belasteten die Bestände neuerlich extreme Hitze und hohe Temperaturen. Niederschläge im September brachten Entspannung, kamen für das Wachstum aber zu spät. Die Haupternte der Speiseerdäpfel ist auf den meisten Betrieben abgeschlossen, spätere Sorten für Speiseindustrie und Stärkeproduktion werden noch geerntet.
Drahtwurmschäden erschweren die Vermarktung
Zusätzlich verursacht der Drahtwurm Ausfälle und Mehraufwand. Fraßschäden machen einen Teil der knappen Ernte unvermarktbar. Befallene Erdäpfel müssen mit hohem Personal- und Kostenaufwand aufbereitet und sortiert werden, damit einwandfreie Ware für den Markt bereitsteht. Für die Betriebe bedeutet die kleinere Ernte zugleich weniger vermarktbare Ware bei hohen Produktionskosten.
IGE-Obmann Michael Bachl fordert, dass heimische Erzeugerpreise zumindest das Niveau möglicher Importpreise erreichen. Solange ausreichend heimische Erdäpfel verfügbar sind, solle nicht auf ausländische Ware gesetzt werden. Wie lange Österreich mit heimischen Erdäpfeln versorgt werden kann, ist offen. Entscheidend ist, welcher Anteil der eingelagerten Ware nach dem Waschen und Sortieren vermarktungsfähig bleibt. Ein klareres Bild erwartet die Branche im Laufe des Winters. Die IGE empfiehlt beim Einkauf, auf österreichische Herkunft und das AMA-Gütesiegel zu achten, und appelliert, kleinere Knollen nicht allein wegen ihres Aussehens auszusortieren.
Eine aktuelle IGE-Branchenumfrage ergab, dass 40 Prozent der befragten Betriebe ihre Erdäpfelfläche weiter reduzieren wollen, wenn es nicht bald Möglichkeiten zur Bekämpfung des Drahtwurms gibt. Weitere elf Prozent wollen den Erdäpfelbau deshalb ganz aufgeben.
Die Betriebe investieren bereits in wassersparende Bewirtschaftung, effiziente Bewässerungssysteme, neue Sorten, Digitalisierung und Prognosemodelle. Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer NÖ, fordert darüber hinaus eine langfristige Wasserstrategie mit Lösungen auf den Betrieben, regionalen Projekten und einer überregionalen Wasserinfrastruktur. Mayr und Bachl betonen, Versorgungssicherheit setze wirtschaftlich lebensfähige Betriebe voraus.
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