Österreichs Bauwirtschaft schrumpft 2026 wohl das fünfte Jahr in Folge

Preisbereinigt dürfte die Branche 2026 gut 12 Prozent unter dem Niveau von 2020 liegen. Es wäre das fünfte Minusjahr in Folge.
BRANCHENRADAR Marktanalyse erwartet, dass die österreichische Bauwirtschaft 2026 zum fünften Mal hintereinander schrumpft. Seit 2021 ging die Nachfrage nach Bauleistungen weitgehend gleichmäßig zurück. Insgesamt dürfte die preisbereinigte Bauleistung 2026 gut 12 Prozent unter dem Wert von 2020 liegen.
Für 2026 setzt die jüngste Prognose den nominalen Bauproduktionswert im Hoch- und Tiefbau mit 70,8 Milliarden Euro an. Das sind 22 Prozent mehr als 2020. Zwischen 2020 und 2025 verteuerten sich Bauleistungen im Hoch- und Tiefbau um ein Drittel. Im Hochbau betrug der Zuwachs 38 Prozent, im Tiefbau 26 Prozent. Die kräftigen Preissteigerungen der vergangenen Jahre ließen nominale und reale Werte auseinanderlaufen. Hauptsächlich gingen sie auf Preissprünge von 2021 bis 2023 zurück. Zunächst verteuerten sich die Baustoffe. Später kamen durch die Abgeltung der Inflation in Kollektivvertragsverhandlungen auch zusätzliche Personalkosten hinzu.
Der Wohnbau trägt fast das gesamte Hochbau-Minus
Bis 2025 entfiel der reale Rückgang auf den Hochbau, dessen Produktion um 16 Prozent sank. Das Minus im Hochbau ging nahezu vollständig auf den Wohnbau zurück. Beim Wohnungsneubau lag die preisbereinigte Produktion um 30 Prozent niedriger, bei Sanierungen im Wohnbau um 14 Prozent. Im Tiefbau legte die preisbereinigte Bauproduktion um 12 Prozent zu. Der Nicht-Wohnbau verzeichnete hingegen kaum Veränderungen.
Für 2026 prognostiziert Andreas Kreutzer von BRANCHENRADAR Marktanalyse ein weiteres preisbereinigtes Minus der Bauproduktion von drei Prozent. Der Rückgang komme ausschließlich aus dem Hochbau. Der Tiefbau soll real um zwei Prozent wachsen. Der Einbruch bei den Neubaugenehmigungen führte zum Rückgang im Wohnungsneubau. 2025 lag die Zahl der Wohneinheiten mit Baufreigabe bei weniger als der Hälfte des Werts von 2020. Im selben Zeitraum gingen die Baubeginne um 42 Prozent und die Fertigstellungen um 34 Prozent zurück. In der Bauwirtschaft seien die Auswirkungen dieses Rückgangs bislang nur teilweise spürbar. BRANCHENRADAR erwartet für 2026 einen weiteren Rückgang der Wohnbaugenehmigungen um rund fünf Prozent gegenüber 2025.
Vor 2020 lagen die Bewilligungszahlen über dem Bedarf an Wohnungen für Hauptwohnsitze. Die Genehmigungsrate lag 2011 bei 12,9 Wohneinheiten je 1.000 Privathaushalte und erreichte 2017 18,5. Für 2025 nennt BRANCHENRADAR 7,6 genehmigte Wohneinheiten je 1.000 Privathaushalte, um 40 Prozent weniger als 2011. Die Analyse erklärt die früheren Spitzenwerte mit dem Boom rund um „Betongold“, der auf die Zinspolitik der EZB zurückging. Zudem führt sie touristisch genutzte Apartmenthäuser an, die in den Unterlagen als Wohngebäude aufschienen, sowie eine größere Zahl an Nebenwohnsitzen. Andreas Kreutzer sagte, eine Konsolidierung des Hypes sei absehbar gewesen. Das erreichte Niveau lasse nun aber die Sorge wachsen, ob der notwendige Wohnraum noch gesichert werden könne.
Höhere Zinsen und knapperes Bauland belasten den Wohnungsneubau
BRANCHENRADAR nennt außerdem den Zinsanstieg, den größeren Anteil eigener Mittel, den private Haushalte bei einer Finanzierung mit Fremdkapital einbringen, sowie die Verteuerung des Bauens als weitere Ursachen. Das Angebot an unbebauten Flächen für Bauvorhaben ging zurück. Dadurch wurde Baugrund knapper, während die Preise für Grundstücke deutlich anzogen. Zudem seien Bauverfahren komplexer und teurer geworden. Ein „Gold Plating“ bei Normen und technischen Bauvorschriften treibe die Baupreise weiter an.
Kreutzer fordert eine rasche Deregulierung in allen Bereichen. Andernfalls sei ein Kollaps des Wohnungsmarkts in naher Zukunft nicht auszuschließen.
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