WKÖ fordert Baustrategie für Bauwirtschaft und Handwerk
Bild mit KI erstellt Auftragseingänge und Umsätze im Gewerbe und Handwerk sanken im ersten Halbjahr nominell um 1,8 Prozent. Die WKÖ fordert eine Baustrategie.
Im Gewerbe und Handwerk gingen die Auftragseingänge beziehungsweise Umsätze im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nominell um 1,8 Prozent zurück. Die Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria weist zugleich einen Anstieg der Verkaufspreise um 2,7 Prozent und ein reales, mengenmäßiges Minus von 4,4 Prozent aus. Zuwächse meldeten 25 Prozent der Betriebe, eine stabile Entwicklung 43 Prozent und Rückgänge 32 Prozent.
Für das vierte Quartal rechnen 15 Prozent der Betriebe mit steigenden Auftragseingängen beziehungsweise Umsätzen. 60 Prozent erwarten eine gleichbleibende Entwicklung, ein Viertel Rückgänge. Der Erwartungssaldo liegt bei minus zehn Prozentpunkten. In investitionsgüternahen Branchen beträgt er minus 15, in konsumnahen Branchen minus vier Prozentpunkte. Christina Enichlmair von KMU Forschung Austria sagte bei einem Pressegespräch, der Anteil der Betriebe mit negativen Erwartungen liege weiterhin über jenem mit positiven Aussichten.
Denk fordert eine Baustrategie für die Bauwirtschaft
Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ, warnt, 2026 steuere die Branche auf das siebente Jahr in Folge mit einem realen Minus zu. Laut Denk spielt die Bauwirtschaft eine Schlüsselrolle für die Erholung, weil auch baunahe Gewerke von mehr Bauaufträgen profitieren. Die WKÖ beschreibt die Bauwirtschaft als seit Jahren in einer Rezession, die maßgeblich von der gesunkenen Wohnbau-Nachfrage, den budgetären Sparzwängen der öffentlichen Hand und der angespannten Finanzsituation der Gemeinden geprägt sei. Laut WIFO-Prognose dürfte die reale Bruttowertschöpfung der Bauwirtschaft 2026 fast ein Viertel unter dem Wert von 2018 liegen. WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr forderte angesichts dieser Entwicklung eine Baustrategie, um den Kapazitätsabbau zu stoppen und das Wohnungsangebot zu modernisieren und auszuweiten.
Die Sanierungsoffensive sieht für 2027 insgesamt 500 Mio. Euro vor und greift eine Forderung der Wirtschaftskammer auf. Laut Denk kann sie die Rückgänge beim Neubau aber bei Weitem nicht ausgleichen. Bundesinnungsmeister Robert Jägersberger verlangt kürzere und einfachere Bauverfahren, weniger Bauvorschriften, den Abbau von Finanzierungshürden und ausreichende Mittel für kommunale Investitionen. Er fordert außerdem, baurelevante Maßnahmen aus dem Regierungsprogramm rasch umzusetzen, darunter die Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung sowie eine Überprüfung der Baustandards und der Verbindlichkeit von Normen und Regelwerken.
Denk verlangt mehr Unterstützung für die betriebliche Lehre
Die Ergebnisse von Team Austria bei den WorldSkills 2026 in Shanghai nahm Denk zum Anlass, die Ausbildungssituation anzusprechen. Das Team errang vier rot-weiß-rote Vizeweltmeistertitel, Österreich belegte in der Länderwertung Platz sieben. Im Gewerbe und Handwerk werden rund 43.500 Lehrlinge ausgebildet. Im Juli 2026 wurde die Lehrstellenförderung für Ausbildungsbetriebe ab dem zweiten Lehrling um ein Viertel gekürzt. Als weitere Gründe für den Rückgang der Lehrlingszahlen nennt die WKÖ die demografische Entwicklung, die lange Rezession, gestiegene Material-, Energie- und Personalkosten sowie die Bürokratiebelastung.
Denk zufolge gibt es die beklagte Lehrstellenlücke nur in Wien. Dort sei die Zahl der Lehrstellensuchenden binnen drei Jahren von weniger als 4.000 auf mehr als 6.000 gestiegen. In Oberösterreich, Tirol und Salzburg fänden Unternehmen hingegen keine Lehrlinge zum Ausbilden. Österreichs Betriebe investieren laut WKÖ rund drei Milliarden Euro in die Ausbildung junger Menschen. Denks Maßnahmenpaket „Lehre stärken – Fachkräfte sichern – Ausbildung modernisieren“ umfasst unter anderem Vorschläge für eine Vier-Tage-Woche, eine Aufwertung der Lehrabschlussprüfung und neue Wege in der Ausbildung. Alle politischen Fraktionen im WKÖ-Wirtschaftsparlament stimmten dem Paket im Juni 2026 einstimmig zu.
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