Österreichs Lebensmittelexporte sinken erstmals nach Wert und Menge

Im ersten Halbjahr 2026 gingen die Exporte laut vorläufigen Zahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück.
Österreichs Lebensmittelexporte gingen im ersten Halbjahr 2026 erstmals sowohl nach Menge als auch nach Wert zurück. Vorläufige Zahlen des Fachverbands der Lebensmittelindustrie zeigen im Vergleich zum selben Zeitraum 2025 ein Minus von 5,1 Prozent bei der Exportmenge auf rund 2,9 Millionen Tonnen und von 0,8 Prozent beim Exportwert auf rund 5,3 Milliarden Euro.
Auch der Wert der abgesetzten Produktion sank im ersten Halbjahr 2026: um 5,4 Prozent von 6,0 auf 5,7 Milliarden Euro.
Kosten erschweren Österreichs Lebensmittelindustrie den Export
Als besonders schwer wiegen für die Exporteure nach Ansicht des Fachverbands die Ausgaben für Packstoffe und Ausgangsstoffe sowie für Energie, Personal und Bürokratie. Geschäftsführerin Mag. Katharina Koßdorff zufolge fällt der Kostenaufwand für Personal und Energie in österreichischen Lebensmittelbetrieben stärker ins Gewicht als bei Konkurrenten im Ausland. Das mache sich auf den Exportmärkten bemerkbar.
Koßdorff deutet die Rückgänge bei Exporten und beim Wert der abgesetzten Produktion als Anzeichen dafür, dass österreichische Betriebe im Preiswettbewerb an Boden verloren hätten. Die Debatten über Lebensmittelpreise und Margenkontrollen lenkten von den Standortproblemen ab, sagte sie. Das Ende des Betriebs am Ardo-Standort habe diese Schwierigkeiten sichtbar gemacht.
In Länder der EU gingen 76,7 Prozent der Exporte, insgesamt 4,1 Milliarden Euro und damit um 1,5 Prozent weniger. Allein nach Deutschland flossen rund 38 Prozent oder 2 Milliarden Euro, dort sanken die Menge um 5,4 und der Wert um 1,2 Prozent. Auf EU-Drittstaaten entfielen 23,3 Prozent der Exporte, das entsprach 1,2 Milliarden Euro und einem Plus von 1,6 Prozent. Märkte außerhalb Europas hatten einen Exportanteil von 12,6 Prozent (674 Millionen Euro, plus 2,1 Prozent). Als Beispiele für diese Märkte nennt der Fachverband Mercosur-Staaten und Asien. Brasilien kam auf 90 Millionen Euro (minus 12,6 Prozent). Großbritannien erreichte 100 Millionen Euro (minus 7,6 Prozent). Mit 190 Millionen Euro (minus 7,4 Prozent) war die Schweiz der größte der drei Drittlandsmärkte.
Auf knapp 1,2 Milliarden Euro belief sich der Exportwert von Getränken ohne Alkohol, darunter Limonaden, Energy-Drinks und Eistees. Bei diesen Getränken gingen der Wert um 0,3 Prozent und die Menge um 3,2 Prozent zurück. Dahinter kamen sonstige Lebensmittelzubereitungen auf 508 Millionen Euro (plus 1,8 Prozent). Tierfutter folgte mit 495 Millionen Euro (plus 5,9 Prozent). Gebäck aus dem Feinsegment erreichte 428 Millionen Euro (minus 4,2 Prozent). Bei Schokoladenwaren sank der Wert um 10,2 Prozent, während die Menge um 2,2 Prozent zunahm. Fruchtsäfte verzeichneten ein Minus von 4,1 Prozent beim Wert und von 3,3 Prozent bei der Menge. Der Fachverband führt diese Entwicklungen auf schwankende Kakaopreise beziehungsweise die Verfügbarkeit von Südfrüchten zurück.
Im ersten Halbjahr 2026 belief sich der positive Saldo im Außenhandel mit Erzeugnissen der Lebensmittelindustrie auf 587 Millionen Euro. Der Außenhandelsüberschuss für diese Erzeugnisse sank zwischen 2021 und 2025 von 2,136 Milliarden auf 809 Millionen Euro.
Der Fachverband steht einer Exportoffensive positiv gegenüber, die im Regierungsprogramm vorgesehen ist. Als zentrale Ansatzpunkte nannte Koßdorff eine Senkung der Standortkosten und den Ausbau der Exportaktivitäten. Diese Schritte sollen Versorgungssicherheit und Wertschöpfung sowie die tausenden Arbeitsplätze in der Lebensmittelindustrie dauerhaft sichern. 27.500 Menschen arbeiten unmittelbar in der Branche. Bei den rund 200 Unternehmen beträgt das jährliche Produktionsvolumen rund 12 Milliarden Euro. Von diesem Produktionsvolumen gehen Erzeugnisse im Wert von rund 10 Milliarden Euro in mehr als 180 Länder.
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